Meinung

„Tag des Sieges“
Parade in Moskau wird zum Sinnbild von Putins Desaster

Wladimir Putin in Begleitung von Sergej Schoigu nach der Parade anlässlich des „Tag des Sieges“ 

© KIRILL KUDRYAVTSEV / AFP

09.05.2022, 12:11
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Keine Superwaffen, keine Flugzeuge, nur Wladimir Putin selbst, der unter seinem Mantel eine kugelsichere Weste versteckt – das war die Parade anlässlich des „Tag des Sieges“ in Moskau. Eine Veranstaltung, die statt Glorie mit Lügen glänzte. 

Er wollte einen Platz in der Geschichte – als Sieger, als der Mann, der „historisch russische Territorien“, wie er es nennt, wieder vereint hat. Und Wladimir Putin bekommt seinen Platz in der Geschichte. Allerdings nicht jenen, den er so gerne hätte. Selbst die Glorie des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland färbt nicht mehr auf ihn ab. 

Als Putin um 9 Uhr Ortszeit 77 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf den Roten Platz tritt, hat er ein Ziel: Seinen Krieg in der Ukraine auf eine Stufe mit dem sowjetischen Triumph über Hitler zu stellen. Wie er dieses Kunststück zu vollbringen gedachte, ohne das Wort Krieg zu verwenden, bleibt sein Geheimnis. Wenig überraschend scheitert das Kunststück. 

Einsamer Wladimir Putin 

Putins Auftritt am 9. Mai wurde mit Bangen erwartet: Was würde er tun? Die Generalmobilmachung ausrufen? Ukraine offiziell den Krieg erklären? 

Nichts davon geschieht. Stattdessen bekommt die Welt einen Mann zu sehen, der in seiner Einsamkeit erstickt. Kein einziger internationaler Vertreter war gewillt, Putins Scharade beizuwohnen. Man habe niemanden eingeladen, weil es kein Jubiläum zu feiern gebe, hieß es vorher als Erklärung aus dem Kreml. Eine fadenscheinige Erklärung. In den letzten 20 Jahren hat sich Putin nicht an diesem Umstand gestört und wusste wenigstens die Präsidenten jener Länder hinter sich,…