Weltweit hat er fast den Stellenwert des Oscars: der Pulitzer-Preis, der seit 1917 vor allem journalistische Leistungen auszeichnet – auch wenn sich nur US-Medien und Autoren dafür qualifizieren können. Er sei „der Gold-Standard des amerikanischen Journalismus, der schönen Künste und der Literatur“, so Marjorie Miller, selbst einst mit der Trophäe ausgezeichnete Reporterin und seit kurzem Administratorin des Preisvergabe-Komitees. „In Zeiten, in denen die Wahrheit unter Beschuss steht, will ich hart dafür kämpfen, dass eine freie Presse die Mächtigen weiterhin zur Rechenschaft zieht und Ungerechtigkeiten aufdeckt.“

2022 wurde die Trophäe in 22 Kategorien verliehen, wobei 15 dem journalistischen Bereich vorbehalten sind, von investigativen Berichten über spektakulären Fotografien bis hin zu Karikaturen. Die Auszeichnung würdigt aber auch literarische Werke sowie Musik- und Theaterstücke.

Den  Preis in der Königskategorie „Dienst an der Öffentlichkeit“ erhielt die „Washington Post“ für ihren Bericht „The Attac“. Er handelt von dem Angriff auf das US-Capitol am 6. Januar 2021 durch Trump-Unterstützer und Verschwörungsideologen, einem der „dunkelsten Tage der Nation“, wie Marjorie Miller betonte.

Der Sonderpreis ging an die ukrainischen Journalistinnen und Journalisten. Sie wurden ausgezeichnet „für ihren Mut, ihre Ausdauer und ihr Engagement für eine wahrheitsgetreue Berichterstattung während Wladimir Putins rücksichtslosem Einmarsch in ihr Land und seinem Propagandakrieg in Russland“.

In der Kategorie Fiktion setzte sich Joshua Cohen gegen Francisco Goldman („Monkey Boy“) und Gayl Jones („Palmares“) durch. „The Netanyahus“ wurde als bissiger, sprachlich versierter historischer Roman gelobt, der sich um das Verhältnis zwischen Israelis und amerikanischen Juden in den 1960er Jahren in den USA dreht.

Vom Einwanderer zum Zeitungsbaron

Ins Leben gerufen wurde der Preis von Joseph Pulitzer. Dieses Urgestein des amerikanischen Journalismus war mit 17 Jahren aus…