Die älteste russische Menschenrechtsorganisation Memorial International hat den diesjährigen Theodor-Heuss-Preis erhalten. Die Auszeichnung der Ende Dezember vom Obersten Gerichtshof  in Moskau aufgelösten Organisation unterstreiche den universellen Wert der Menschenrechte, betonte der Vorstandsvorsitzende der Theodor-Heuss-Stiftung, Ludwig Theodor Heuss, bei der Preisverleihung im Neuen Schloss Stuttgart. Sie treffe diesmal unvorhergesehen in eine Zeitenwende, sagte er mit Blick auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Der Kampf für Freiheit und Menschenrechte sei die Quelle der Demokratie.

„Mutige Verteidigung der Menschenrechte“

Die Jury würdigte die Arbeit der Organisation als „weltweites Vorbild für die mutige Verteidigung der Menschenrechte“. In ihrer Laudatio sagte die frühere Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: „Durch das Verbot sollte Memorial mundtot gemacht werden. Das wird nicht passieren. Memorial ist unverzichtbar. (Der russische Staatschef Wladimir) Putin darf die Geschichte nicht schwärzen.“

Die Politik müsse die Menschenrechte leben lassen, forderte die FDP-Politikerin weiter. Sie seien die Wertegrundlage der Demokratie und des Zusammenlebens in Europa. Menschenrechtspolitik sei daher immer eine „befugte Einmischung“.

Memorial-Mitbegründerin Irina Scherbakowa (Archivbild)

Memorial-Mitbegründerin Irina Scherbakowa nahm die Ehrung in Stuttgart entgegen. „Wir können den Machthabern nur die Kraft der Schwachen entgegensetzen“, sagte sie laut einer Mitteilung der Stiftung. „Aber wir müssen den Giftnebel, der die historische Wahrheit verdecken soll, auflösen.“

Memorial International ist 1989 unter anderen von Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow gegründet worden. Angegliedert sind etwa 80 regionale Organisationen auch außerhalb Russlands. Schwerpunkte sind die Aufarbeitung von Gewaltherrschaft und das Eintreten für Menschenrechte.

Scherbakowa erläuterte bei der Ehrung, die Organisation versuche, den etwa zwölf…