Bindungstheorie
Ein Kind braucht mehr als nur die Mutter

Ein Kind braucht seine Mutter – an diesem Grundsatz gibt es Kritik. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

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Fürsorglich sein und auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen – so hat sich im Westen das Bild einer Mutter durchgesetzt. Anlässlich des Muttertags lohnt ein kritischer Blick auf die Bindungstheorie.

Ein Baby kommt zur Welt, weint und findet Trost an der Brust. «Bonding» – so wird der erste Körperkontakt zwischen Mutter und Neugeborenem genannt, ein Schritt zur körperlichen Bindung. Am Verhalten des Kindes kann die Mutter später im besten Fall Bedürfnisse erkennen und darauf eingehen.

Doch soll sie für den Rest ihres Lebens ausnahmslos die hierarchisch wichtigste Bindungsperson für den Nachwuchs sein? Was ist mit dem Vater oder anderen Menschen im Umfeld des Kindes?

Die Erziehungsmethode, in der die Mutter auf alle Interessen des Kindes einzugehen versucht, hat ihren Ursprung in der Bindungstheorie. Die vom britischen Psychoanalytiker und Kinderpsychiater John Bowlby ausgehende Theorie ist in Kindertageseinrichtungen und einer breiten Öffentlichkeit hierzulande anerkannt. Sie setzt für die Entwicklung eines emotional gesunden Menschen voraus, dass er in der Kindheit genug Liebe von seiner Bindungsperson bekommt – sei es von Mutter oder Vater.

Kritik an der Bindungstheorie

Als Bindungsperson gilt der Mensch, den das Kind beispielsweise sucht, wenn es von der Schaukel gefallen ist oder um den es bei einer Trennung besonders weint, wie der Kinder- und Jugendpsychiater Karl Heinz Brisch erklärt, ein Befürworter der Bindungstheorie. Eine solche Nähe komme in etwa einem Jahr zustande, erklärt der Professor an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg (Österreich).

Zu den Eigenschaften…