07.05.2022, 10:53
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Wenn es darum geht, Putin für den Angriffskrieg auf die Ukraine zu verurteilen, ist Afrika uneins. Viele Nationen zögern, sich klar zu positionieren. Die Gründe: Furcht, Skepsis und Geld.

Anfang März, kurz nach Kriegsausbruch, verurteilten 141 von 193 UN-Mitgliedsstaaten den russischen Angriff auf die benachbarte Ukraine und forderten die Entscheidungsträger im Kreml zum sofortigen Truppenrückzug auf. Fast die Hälfte der afrikanischen Mitglieder zögerte.

Von den 54 afrikanischen Teilnehmern enthielten sich 17 (darunter Algerien, Mali und Südafrika), acht stimmten gar nicht erst ab (wie etwa Äthiopien, Kamerun und Burkina Faso), Eritrea sprach sich sogar gegen die Resolution aus – zusammen mit Nordkorea, Belarus, Syrien und Russland selbst.

Das laute Zögern macht eines deutlich: Im Gegensatz zur EU, die sich in lang vermisster Einigkeit hinter die Ukraine stellte, ist die Afrikanische Union gespalten. Was diese Nationen davon abhielt, Putins Invasion zu verurteilen? Eine Mischung aus wirtschaftlicher Abhängigkeit, totalitärer Machtpolitik und historischer Skepsis gegenüber dem Westen.

Skepsis gegenüber dem Westen: die Nachwehen des Kalten Kriegs

Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion war das Verhältnis zwischen Russland und Afrika nicht mehr so innig. Da wundert es wenig, dass viele afrikanische Staatsführer zumindest einmal vorsichtig sind, wenn es darum geht, sich auf eine Seite zu schlagen. Denn mit klaren Bekenntnissen zu Ost oder West ist der Kontinent selten gut gefahren. Zu Zeiten des Kalten Kriegs sahen sich viele eben erst unabhängig gewordene Staaten gezwungen, sich zwischen den Weltmächten und -ideologien zu entscheiden – die Folge waren häufig erbitterte Bürgerkriege.

Mit dem Westen, so der Thinktank „Observer Research Foundation“, verbanden viele junge afrikanische Staaten…