Bei den Kommunalwahlen in Großbritannien haben die Konservativen von Premierminister Boris Johnson ersten Ergebnissen zufolge schmerzhafte Verluste hinnehmen müssen. So konnte die oppositionelle Labour-Partei erstmals die Kontrolle über den Bezirksrat im Londoner Innenstadtbezirk Westminster erringen, in dem sich die Regierungsgebäude und viele Wahrzeichen der Stadt befinden. Auch die Bezirke Wandsworth und Barnet, die seit Jahrzehnten fest in konservativer Hand waren, gingen an die Sozialdemokraten. Zumindest symbolisch gilt das als schwere Niederlage für den Premier. 

„Wir haben eine harte Nacht hinter uns in einigen Teilen des Landes, aber andererseits haben wir auch Zugewinne gemacht an Orten, die lange nicht, wenn überhaupt schon einmal, konservativ gewählt haben“, sagte Johnson zu Reportern beim Besuch einer Schule in London. Johnson bejahte die Frage, ob er Verantwortung für die Ergebnisse übernehme.

Botschaft der Wähler erkannt

„Die wichtigste Botschaft der Wähler ist, dass wir uns um die Dinge kümmern sollen, die ihnen am wichtigsten sind“, führte der Regierungschef aus. Der Unmut der Wähler entzündete sich an Vorwürfen, dass am Amtssitz des Premiers trotz eines geltenden Corona-Lockdowns Partys gefeiert wurden. Aber auch die drastisch gestiegenen Lebenshaltungskosten stehen im Fokus. Ein schwaches Wahlergebnis könnte auch Johnsons Kritikern in den eigenen Reihen Auftrieb geben, die an seiner Mehrheitsfähigkeit bei der bis Ende 2024 anstehenden Parlamentswahl zweifeln. 

Der Tory-Abgeordnete Tobias Ellwood forderte Johnson denn auch zum Rücktritt auf. Das Vertrauen des britischen Volkes sei zerstört. Im Wahlkampf hatten sich konservative Kandidaten vielerorts von ihrem Parteichef distanziert und teilweise darum gefleht, sie nicht für Fehler der Regierung verantwortlich zu machen. 

Zumindest mit Blick auf London City kann sich Labour-Chef Keir Starmer als großer Wahlsieger fühlen

Die Labour-Partei feierte ihren Sieg in den…