05.05.2022, 19:40
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Russland droht immer unverhohlener mit einer nuklearen Eskalation. Wie real ist die Gefahr wirklich? Präsident Putin dürfte andere Ziele als einen Atomkrieg verfolgen.

Noch vier Tage, dann könnten wir mehr wissen.

Der 9. Mai ist ein besonderer Tag. Russland feiert den „Tag des Sieges“, wie viele andere Nationen in Osteuropa auch, und mit ihm das Ende des „Großen Vaterländischen Krieges“, den Sieg über Hitler-Deutschland. Es ist ein historisch aufgeladener Tag, besonders auch für einen fanatischen Geschichts- und Zahlenfreak wie Wladimir Putin.

Für den Kriegstreiber aus dem Kreml ist der 9. Mai der ideale Tag, um eine Verbindung zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Ukraine-Krieg zu ziehen und eine Botschaft des Triumphes zu verkünden. Am dann 75. Tag seines Feldzuges, der in Russland nicht nur leere Supermarktregale und einen Aderlass auf dem Arbeitsmarkt zur Folge hat. War es das wert?

Putin wird schon eine irgendeine Erfolgserzählung einfallen, da sind sich Beobachter sicher, wenngleich die Realität anders aussieht: schlechte Planung, unerwartete Gegenwehr und hohe Verluste – ein „Blitzsieg“, den sich Putin in der Ukraine offenkundig versprochen hatte, ist ausgeblieben, von einem „Tag des Sieges“ kann nicht die Rede sein. Der Bundeskanzler bilanziert: „Putin hat sich vollständig verrechnet.“

Noch vier Tage, die Uhr tickt. Die Frage: Wie weit würde Putin für einen Erfolg gehen?

„Wie das Kaninchen vor der Schlange“

Bis zu 500 Kilometer und mutmaßlich abertausende Tote weit, so sollen die Angaben aus Moskau vom Mittwoch wohl verstanden werden: Im Rahmen einer Übung hätten rund hundert Soldaten in Kaliningrad den „elektronischen Start“ von mobilen ballistischen Raketensystemen vom Typ Iskander mit Atomwaffen simuliert, einer Kurzstreckenrakete mit…