WHO-Generaldirektor Tedros Ghebreyesus sprach bei der Veröffentlichung der Zahlen in Genf von „ernüchternden Daten“. Diese unterstrichen nicht nur die Wirkung der Pandemie, sondern auch die Notwendigkeit für alle Länder, mehr in widerstandsfähige Gesundheitssysteme zu investieren.

Die Angaben beziehen sich auf den Zeitraum zwischen dem 1. Januar 2020 und dem 31. Dezember 2021. Erfasst wurden sowohl verstorbene Corona-Infizierte als auch Menschen mit anderen Krankheiten oder Verletzungen, die wegen der Überlastung der Gesundheitssysteme nicht rechtzeitig behandelt werden konnten. Unter den Corona-Infizierten lag die Zahl der registrierten Todesfälle Ende 2021 gemäß Meldungen der WHO-Mitgliedsländer bei 5,4 Millionen. Heute liegt sie bei etwas mehr als 6,2 Millionen.

Nach WHO-Angaben war die Übersterblichkeit am größten in Südostasien, Europa sowie Nord- und Südamerika mit zusammen 84 Prozent aller Fälle. Übersterblichkeit heißt hier, wie viel mehr Menschen 2020 und 2021 im Vergleich zu Vorjahren ohne Pandemie gestorben sind.

In der Berechnung wurde berücksichtigt, dass eine gewisse Zahl von Todesfällen durch Corona-Einschränkungen verhindert wurde. Dazu gehört zum Beispiel, dass weniger Unfälle im Straßenverkehr und Arbeitsunfälle passierten, weil mehr Menschen von Zuhause arbeiteten und vielerorts Ausgangssperren verhängt waren.

Die indische Regierung kritisierte den Bericht und die Methoden der Forscher bereits im Vorfeld der Veröffentlichung. Laut dem Bericht starben in Indien knapp fünf Millionen Menschen an den Folgen der Pandemie. Dagegen sprachen die indischen Behörden von knapp einer halben Million Toten in den vergangenen zwei Jahren. Die WHO erklärte, die Zahlen der Regierung in Neu Delhi derzeit zu prüfen.

uh/fab (dpa, kna, afp, rtr)