Berlin³
Steinmeier und Selenskyj: Ende der politischen Eiszeit – am Telefon

Heute sprachen der ukrainische Präsident Selenskyj und Bundespräsident Steinmeier am Telefon

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05.05.2022, 17:06
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Wandel durch Annäherung – per Anruf. Eine dreiviertel Stunde sprachen der ukrainische Präsident Selenskyj und Bundespräsident Steinmeier miteinander. Bestehende Irritationen wurden dabei demonstrativ ad acta gelegt. Die Solidarität im Krieg geht vor.

Über den Wolken auf seiner Rückreise von Rumänien hatte es sich am späten Mittwochabend bereit angedeutet: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj würden am heutigen Donnerstag ihre persönliche Eiszeit beenden und endlich, endlich direkt miteinander sprechen. Es war sicher kein einfaches Telefonat, aber es dauerte dann doch immerhin eine gute Dreiviertelstunde – und wurde von beiden Seiten als sichtbare Botschaft nach außen verstanden, dass die Unterstützungsleistungen Deutschlands für die von Russland in einen Krieg gezwungene Ukraine nicht von persönlichen Spannungen gestört werden sollten.

Kurz vor dem symbolisch wichtigen Datum des 8. Mai und damit gerade noch rechtzeitig wurde damit ein diplomatisches Ärgernis höchster Güteklasse ausgeräumt, das durchaus das Potenzial hatte, das Verhältnis zwischen Berlin und Kiew nachhaltig zu belasten. Steinmeier hatte eigentlich bereits am 12. April gemeinsam mit seinem polnischen und seinen drei baltischen Amtskollegen nach Kiew reisen wollen, war dann aber kurz vor der gemeinsamen Abreise zur persona non grata erklärt worden. Auch ein am Abend zuvor verabredetes Telefonat mit Selenskyj war kurzerhand gecancelt worden. Beides zusammen war ein in 75 Jahren bundesrepublikanischer Geschichte bis dato einmaliger Fall, der am Tag der…