Es ist so groß wie zwei geballte Fäuste, sieht aus wie eine überdimensionierte Walnuss und wiegt rund 1,5 Kilogramm: Aber nicht nur das. Im Gehirnlaufen sämtliche Fäden unseres Denkens und Fühlens zusammen. „Diese Ausstellung ist eine große Reise durch dieses Organ“, sagt Eva Kraus, die Intendantin der Bonner Bundeskunsthalle. Mit über 300 Exponaten tauche man ein „in diesen Kosmos, das letzte Rätsel unseres Körpers.“

Was also gibt es Neues vom Gehirn? Und was sagt die Kunst zu unserem Denkorgan? Die Bonner Ausstellung „Das Gehirn in Kunst und Wissenschaft“ versucht nicht mehr und nicht weniger als einen kulturgeschichtlichen Überblick. „Sie ist ein interdisziplinäres Experiment“, wie Ausstellungskuratorin Henriette Pleiger betont, denn sie verbindet viele Disziplinen – die Hirnforschung mit der Philosophie, der Religion, der Medizingeschichte, der Psychologie – und schließlich auch der Kunst.

Wie funktioniert unser Gehirn?

Im alten Ägypten glaubten die Menschen, die Seele fliege in Form eines Vogels in den Himmel

Was haben wir da im Kopf? Wie funktioniert unser „Oberstübchen“? Immer schon zermarterten sich die Menschen das Hirn über den Inhalt ihres Schädels. Platon (428/427-348/347 v. Chr.) vermutete, dass Erinnerungen sich einprägen wie Abdrücke auf Wachstäfelchen, wie sie in der Antike gebräuchlich waren. Aristoteles hielt das Gehirn für ein Kühlaggregat des Blutkreislaufes. Goethe(1749- 1832) verglich den Denkprozess mit dem Schiffchen eines Webstuhls, das hin- und her saust und ein Gedankengewebe bildet.

Was passiert im Gehirn, wenn wir denken und fühlen?

Die Medizin näherte sich dem Organ über die Jahrhunderte an, etwa über Wachsmodelle, wie sie Friedrich Ziegler Ende des 19. Jahrhunderts anfertigte, um die Entwicklung des Gehirns beim Embryo darzustellen. Heute lässt sich mit modernster Technik in Sekunden ins Innere des Gehirns reisen. „Die Problematik ist, dass man versucht, mit dem Hirn andere Hirne zu verstehen“, sagt der Berliner…