Mit ohrenbetäubendem Lärm krachen mehr als 30 Tonnen rötliche Stahlbögen erst wie Dominosteine gegeneinander und dann in chaotischer Anordnung auf den Boden. Es handelt sich um eine Demonstration von enormer Kraft, hinter der einer der wichtigsten bildenden Künstler der Gegenwart steht: Bernar Venet. „Es ist ein neuer Vorschlag, wie Skulptur gemacht werden kann, nicht mehr und nicht weniger“, sagt Bernar Venet zu seiner Performance „Domino Effondrement“. 

Sie zeigt eine der unbekannteren Seiten des 76-jährigen französischen Künstlers, der sich selbst nie nur als Bildhauer verstanden hat. „Ich versuche ein Künstler zu sein, der Konzepte entwickelt, die es mir erlauben in den verschiedensten Disziplinen zu experimentieren“, sagt Venet im Interview mit der DW.

Bernar Venet lässt tonnenschweres Material federleicht aussehen

Kunst aus 60 Jahren von Bernar Venet 

Einen Eindruck der Vielfalt seines über 60 Jahren andauernden künstlerischen Schaffens zeigt die neue Ausstellung in der neuen Berliner Kunsthalle – in den großen Hangarhallen 2 und 3 des stillgelegten Flughafen Tempelhof . Mit mehr als 150 Werken ist sie die bisher umfangreichste Retrospektive Venets: mit Skulpturen, Malereien und Performances. Bernar Venet wurde 1941 im südfranzösischen Chateau-Arnoux geboren. Als junger Mann versucht er, seine kleinbürgerliche Herkunft hinter sich zu lassen. Er studiert an der Städtischen Schule für Gestaltende Kunst in Nizza, arbeitet als Bühnenbildner, bevor er 1961 für den Militärdienst eingezogen wurde.

Venet freundet sich mit den Neuen Realisten an

Doch schon dort ertrotzt sich Venet ein kleines Atelier, in dem seine ersten Gemälde entstehen: mit Fassadenfarbe und Teer auf Kartonpappe. Auch die erste Performance, die als Fotodokumentation in der Ausstellung mit dem Titel „Bernar Venet, 1961-2021. 60 Years of Scultpure, Painting and Performance“ zu sehen ist, stammt aus dieser Zeit. In ihr liegt der junge Künstler – wie niedergestreckt – zwischen…