Militärgeschichte
Cannae – wie diese Schlacht 2000 Jahre lang das Denken vergiftete

„Hannibal auf dem Schlachtfeld von Cannae nach dem Sieg und der Zerstörung der römischen Armee“ von Heinrich Leutemann (1824-1905) ; Stich in dem Buch „Rom“ von Wilhelm Wagner (1877)

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von Gernot Kramper
25.01.2022, 09:15 Uhr

In Cannae wurden die römischen Legionen nicht nur besiegt. Der Triumph Hannibals schuf den Mythos der Vernichtungsschlacht.

Am 2. August 216 v.Chr kam es bei Cannae in Italien zu einer Begegnung eines römischen Heeres mit den Truppen Hannibals. Die Schlacht festigte den Ruf Hannibals als größtem Strategen seiner Epoche und bedeutete eine vernichtende Niederlage für Rom. Die zahlenmäßig überlegenen Römer wurden nicht nur geschlagen, das Heer wurde buchstäblich ausgelöscht.

Große Siege gibt es viele in der Kriegsgeschichte, aber von Cannae ging eine besondere Wirkung aus. Diese Schlacht infizierte und vergiftete das Denken von Militärs bis ins 20. Jahrhundert. Denn hier wurde der Gegner nicht nur besiegt und geschwächt, am Abend existierte das römische Heer nicht mehr. Cannae weckte den finsteren Traum der Vernichtungsschlacht. Einer Schlacht, die einen Krieg mit einem Schlag entscheiden konnte.

Sieg ohne besondere Bedingungen

Schwere und vernichtende Niederlagen werden meist durch Sonderfaktoren ermöglicht, von denen niemand hoffen kann, dass er sie nach Belieben reproduzieren kann. Im Teutoburger Wald erlitten die Legionen des Varus auch eine solche Niederlage. Das lag aber daran, dass der Angriff Varus überraschte und der Hinterhalt so geplant war, dass er das Heer in der denkbar ungünstigsten Situation überraschte. Die Legionen waren weit auseinandergezogen, das Gelände verhinderte, dass sie sich zu großen Formationen sammeln konnten. Die ganze taktische Überlegenheit der Römer kam nicht zum Tragen.