„Ich habe für Afghanistans Verteidigungsministerium gearbeitet. Ich weiß, welch großem Risiko diese Frauen ausgesetzt sind. Viele haben verzweifelt ein Versteck gesucht, sie haben Todesangst erlitten“, sagt Zarifa Ghafari. Nur wenige Tage nach der Machtübernahme durch die Taliban im September 2021 ist es ihr gelungen, mit ihrer Familie aus Afghanistan nach Deutschland zu fliehen. Alle ihre Kolleginnen im Verteidigungsministerium haben inzwischen aufgehört zu arbeiten, erzählt sie.

Kürzlich hörte Ghafari, wie Freunde über drei Kinder sprachen, die von ihrer Mutter, die sich nicht mehr kümmern konnte, auf der Straße ausgesetzt worden waren. „Warum sollte jemand so etwas tun?“, fragt sie rhetorisch und erklärt, dass viele Frauen einfach keine andere Wahl hätten. Alleinerziehende Mütter sind besonders vom Arbeitsverbot der Taliban für Frauen betroffen.

Das Regime hat Frauen auch verboten, ihr Gesicht in den Medien zu zeigen, Schulen wurden für Mädchen geschlossen, und Frauen dürfen sich ohne männliche Begleitung nicht mehr außerhalb ihres Hauses bewegen.

Frühe Feministinnen in Afghanistan

Dabei waren die Rechte der Frauen den Machthabern in Afghanistan im frühen 20. Jahrhundert ein wichtiges Anliegen, schreibt Huma Ahmed-Ghosh, Professorin am Department of Women’s Studies der Universität von San Diego, in ihrer 2003 erschienenen Studie „A History of Women in Afghanistan: Lessons learnt for the Future“. Frauenrechte erhielten einen Schub, nachdem Amanullah Khan nach der Ermordung seines Vaters Habibullah im Jahr 1919 den Thron bestieg. Im selben Jahr stürzte er die Briten im Dritten Anglo-Afghanischen Krieg.

Setzte sich für die Rechte von Frauen ein: König Amanullah Khan

Amanullah ließ sich von der Modernisierung in der Türkei unter Kemal Atatürk inspirieren und läutete Veränderungen ein, wie die Befürwortung der Monogamie, Bildung für Mädchen und Frauen und die Abschaffung der Ganzkörper-Burka. Auch seine Frau, Königin Soraya,…