Prostituierten-Mord –
Rosemarie Nitribit, wie das Wirtschaftswunder der Liebe bestialisch ermordet wurde

Das bekannteste Foto der Nitribitt – hier noch in ihrem Opel Kapitän.

© Ullstein Bild

von Gernot Kramper
21.01.2022, 22:28 Uhr

Rosemarie Nitribitt arbeitet sich aus den Ruinen der Nachkriegszeit empor. Sie wurde eine Unternehmerin der Liebe und erfand die „Girlfriend Experience“ für die Bonner Republik. Durch ihren Tod wurde sie zu einer Legende.

Nina Hoss spielte Rosemarie Nitribitt. Die Schönheit das Schmuddelkind. Auf der Leinwand war Hoss schön strahlend und vital. So angelte sie sich die Berühmtheiten und die Wirtschaftskapitäne der 50er Jahre auf dem Bildschirm. Nichts an ihr erinnerte an die echte Nitribitt. Im Film wurde die Frankfurter Prostituierte von den tollsten Frauen gespielt, 1996 von Nina Hoss, 1958 von der damals schönsten Frau der Welt, Nadja Tiller. Auf den Fotos von Nitribitt gewinnt man einen ganz anderen Eindruck. Sie sah gut aus, aber vor allem sah man ihr die Not der Nachkriegszeit an, ein finsterer Lebenshunger strahlte in ihr. So wie sie gierig an ihrer Zigarette sog und stolz neben ihrem Mercedes 190 SL posierte. Denn das unterschied die Nitribitt von den versteckten Affären der Fünfziger. In Frankfurt war sie berühmt, sie war bekannt als DIE Nitribitt und hielt Hof wie eine große Horizontale aus dem Paris des 19. Jahrhunderts. Sie war so bekannt, dass eine Frankfurterin verlangte, Mercedes müsse ihren 190er umspritzen, denn sie werde in dem Wagen in einem fort von Männern belästigt, die sie mit der Nitribitt verwechselten.

Aus den Kellern der Nachkriegszeit

Rosemarie Nitribitt hatte es geschafft, aus den finstersten Kellern zu dem Wohlstandssymbol der 50er, dem Mercedes 190 SL. Mit fünf kam sie ins Heim, danach ging es zu Pflegeeltern. Mit elf wurde sie vom Jungen der Nachbarn vergewaltigt. Die Nachkriegszeit in Deutschland ist…