Seit zwei Jahren bereisen Yrine Matchinda und ihre Kollegin Lucie Mbogni Nankeng von der Université de Dschang die frankophonen Gebiete Kameruns. „Wir machen Feldforschung in den verschiedenen Gemeinden“, erklärt Matchinda ihre Rolle in dem aufwendigen deutsch-afrikanischen Projekt, das die Sammlung Max von Stettens, eines ehemaligen Kommandeurs der kaiserlichen deutschen Truppen zu Kolonialzeiten, erforscht. Von Stetten war unter anderem in Kamerun stationiert, das von 1884 bis 1916 eine deutsche Kolonie war.

Die Kooperation geht vom deutschen Zentrum für Kulturgutverluste und dem Münchner Museum Fünf Kontinente aus. Letzterem überließ von Stetten in den 1890er-Jahren seine Sammlung. Unter den über 200 Gegenständen sind Masken, Statuen, Pfeile, Löffel und Kultgegenstände – auch der sogenannte „Blaue-Reiter-Pfosten“, den die Expressionisten Franz Marc und Wassily Kandinsky 1912 in ihrem Kunst-Almanach abbildeten und berühmt machten. Doch aus welchem Kontext stammt der Pfosten? Handelt es sich möglicherweise um einen sakralen Gegenstand? Und wie steht es um die anderen Gegenstände der Sammlung? 

1911 schrieb Franz Marc über den „Blauen-Reiter-Pfosten“ an seinen Künstlerkollegen August Macke: „Ich blieb schließlich staunend und erschüttert an den Schnitzereien der Kameruner hängen, die vielleicht nur noch von den erhabenen Werken der Inkas überboten werden.“

„Kürzlich haben wir zum Beispiel herausgefunden, dass es sich bei der ‚Byeri‘, einer der Statuen aus der Münchner Sammlung, um eine sakrale Statue vom Stamm der Mabi handelt“, erklärt Yrine Matchinda. Diese und weitere Erkenntnisse wollte die wissenschaftliche Mitarbeiterin bei einem Abschluss-Workshop in München präsentieren. Doch sowohl ihr als auch ihren englischsprachigen Kollegen Joseph Ebune und Ngome Elvis Nkome, beide von der Universität Buea, wurde die Einreise nach Deutschland verwehrt. 

Bei den Unterlagen der beiden Professoren hätten die Geburtsurkunden gefehlt, so…