„Mit dem Tod bin ich aufgewachsen, ich hatte mich an ihn gewöhnt“, antwortete Hardy Krüger 2018 in einem Interview kurz vor seinem 90. Geburtstag auf die Frage, ob er sich vor dem Tod fürchte. Der Filmstar im Ruhestand verwies auf all das was er überlebt hatte: Fronteinsätze im Zweiten Weltkrieg, Bombenkrieg, Todesurteil und Erschießungskommando. „So viel Glück kann ein einzelner Mensch gar nicht haben“, resümierte er.

Jetzt teilte seine Künstleragentur in Hamburg mit, dass Krüger im Alter von 93  gestorben ist.

Die NS-Karriere zu Füßen 

Die keineswegs glückliche Zeit der Weltwirtschaftskrise ist es, in die Eberhard August Franz Ewald Krüger am 12. April 1928 im rauen Berliner Stadtteil Wedding hineingeboren wird. Der Vater, ein Ingenieur, ist Fan von Adolf Hitler und frühes NSDAP-Mitglied. Zu Hause auf dem Klavier steht eine Büste Hitlers. 

„Ich bin als Nazi erzogen worden“, erzählte Krüger immer wieder mit Blick auf seine Eltern und Lehrer. Mit dreizehn wird er gar auf der sogenannten Ordensburg im bayerischen Sonthofen aufgenommen: eine NS-Kaderschmiede, die die künftige Elite des Regimes formen soll. 

Als Nazi-Eliteschüler wirkt Krüger 1943 in einer Nebenrolle im Film „Junge Adler“ mit. Ausgerechnet bei den Dreharbeiten zu diesem NS-Propaganda-Streifen hört Krüger im vertrauten Gespräch von einem älteren Schauspieler den Satz über Hitler, der sein Leben verändert: „Dein Halbgott, dieser österreichische Anstreicher, der ist ein Verbrecher.“ Krüger erfährt, was in Lagern wie Bergen-Belsen und Dachau geschieht.

Todesurteil

Gerade als er seinen Glauben an Regime und „Endsieg“ verloren hat, wird Krüger im Frühjahr 1945 mit der SS-Einheit „Nibelungen“ an die Front befohlen. Als er sich weigert, auf US-Soldaten zu schießen, verurteilt ihn ein Standgericht wegen „Feigheit vor dem Feind“ zum Tod durch Erschießen. Doch der SS-Mann, der das Urteil vollstrecken soll, schießt nicht. Weil Krüger, damals sechzehn Jahre alt, noch ausgesehen habe wie…