Li Ying ist wieder zurück bei den „Steel Roses“. Die neue Nationaltrainerin Shui Qingxia, die erste Frau an der Spitze der chinesischen Frauenfußball-Nationalmannschaft, berief die 29 Jahre alte Stürmerin in den Kader für den anstehenden Asien-Cup in Indien (20. Januar bis 6. Februar). Auf den ersten Blick wirkt dies nicht verwunderlich. Bei der letzten Auflage des Turniers 2018 in Jordanien gewann Li schließlich den „Goldenen Schuh“ als beste Torjägerin: sieben Treffer in fünf Spielen. China belegte bei dem Turnier den dritten Platz.

Auch bei der WM 2019 in Frankreich war auf die Offensivspielerin Verlass: Beim 1:0-Vorrundensieg gegen Südafrika erzielte sie das einzige Tor der „Stählernen Rosen“ im Turnier, die Chinesinnen scheiterten im Achtelfinale. Vor den Olympischen Spielen in Tokio jedoch wurde Li, die bereits deutlich über 100 Länderspiele und 30 Tore auf dem Konto hat, aussortiert. Nicht wenige mutmaßten, dass es mit ihrem Coming-out zusammenhing.

„Du bist die Quelle und das Ziel all meiner Zärtlichkeit.“ Mit dieser Botschaft machte Li Ying im Juni vergangenen Jahres auf dem chinesischen Portal Weibo ihre Liebe zu Influenzerin Chen Leilei öffentlich – kurz nach dem ersten Jahrestag ihrer Beziehung. Der Post ging viral und wurde vielfach kommentiert. „Es ist kein Geheimnis, dass es im Frauenfußball Homosexuelle gibt „, schrieb Zhao Zen, ein Fußballjournalist und Blogger mit über fünf Millionen Followern, „aber Li Ying ist die erste, die sich traut, ihre sexuelle Orientierung und ihre Freundin öffentlich bekannt zu geben. Ich gratuliere ihr zu ihrem Mut.“ Doch es gab nicht nur zustimmende, sondern auch homophobe Kommentare. Kurz nachdem Li den Post online gestellt hatte, verschwand er wieder von ihrem Account. Auf Druck von außen?

„Ja, ich bin schwul“

Dass Topsportlerinnen oder -sportler in China offen über ihre Homosexualität reden oder schreiben, ist äußerst selten. Die Fälle lassen sich noch an einer Hand abzählen. Nach Li Ying wagte im…