Welche Künstlerinnen und Künstler stellen in der hessischen Stadt Kassel aus? Welche Antworten liefern sie auf die globalen Herausforderungen unserer Zeit – sei es nun Klimawandel, Digitalisierung, soziale Verwerfungen oder politische Radikalisierung? Die Spannung wächst, nicht nur in der Kunstszene. Seit wenigen Tagen jedoch hat die „documenta fifteen“, die vom 18. Juni bis 25. September 2022 ihre Pforten öffnen soll, auch eine klar politische Dimension.

Das Künstlerkollektiv Ruangrupa weist die Antisemitismusvorwürfe zurück.

In einem Blogbeitrag hat ein Kasseler „Bündnis gegen Antisemitismus“ dem indonesischen Kuratorenkollektiv Ruangrupa vorgeworfen, auch Organisationen einzubinden, die den kulturellen Boykott Israels unterstützten oder antisemitisch seien. Ein Journalist der Wochenzeitung „Die Zeit“ griff die Vorwürfe auf. Mehrere Experten hielten dagegen, nannten die Kritik überzogen oder unbegründet.

Deutschland trägt Verantwortung für Israel

Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle, Aufsichtsratsvorsitzender der documenta GmbH, wies die Vorwürfe gegen Ruangrupa zurück und sprach von einer „nicht sachlich vom Zaun gebrochenen und aufgeheizten Debatte“. Deutschland habe aufgrund seiner Vergangenheit „eine herausragende Verantwortung für Menschen jüdischen Glaubens und den Staat Israel“, so Geselle.

Dennoch zog das Thema Kreise: Kulturstaatsministerin Claudia Roth kontaktierte die Träger der documenta, das Bundesland Hessen und die Stadt Kassel und drängte auf Beratungen. Hessens Kunstministerin Angela Dorn, stellvertretende Vorsitzende des documenta-Aufsichtsrates, teilte im Anschluss des Treffens mit, die Runde am Montag (17.01.) habe noch einmal gezeigt, dass alle an einem Strang zögen und sich ihrer Verantwortung bewusst seien. „Für uns gilt gemeinsam, dass die Kunstfreiheit ein hohes Gut ist und ein zentraler Bestandteil unserer demokratischen Gesellschaft. Das gilt auch und gerade dann, wenn sie den politischen Diskurs berührt.“