400 Jahre wäre er dieses Jahr alt geworden, der französische Dramatiker Molière, dessen Namen in einem Atemzug mit William Shakespeare genannt wird. Zu seinen Lebzeiten verhalf Molière insbesondere der Komödie zu großem Ansehen und verschaffte ihr den Respekt, der zuvor der Tragödie vorbehalten gewesen war.

Geboren als Sohn eines Textilhändlers und königlichen Ausstatters im Jahr 1622, schrieb Jean-Baptiste Poquelin alias Molière seine zahllosen Theaterstücke lange vor der Französischen Revolution. Damals war die Autorität von König und Kirche noch ungebrochen. In seinen Stücken, die noch heute regelmäßig aufgeführt werden, legte er sich mit den Mächtigen an, mit Kirche und Adel, zuletzt sogar mit dem Tod – immer durch die Kraft des Lachens. Vier seiner brillantesten Komödien erlauben uns, diesen besonderen Mann kennenzulernen, dessen Stücke uns noch heute zum Lachen bringen. Eines für jedes Jahrhundert.

1. Ein Skandal erschüttert Versailles: „Tartuffe“

Die Comédie Francaise feiert Molières Geburtstag bis zum 25. Juli und zeigt viele seiner Stücke, u.a. auch „Tartuffe“

Tartuffe, angeblich ein besonders frommer Mensch, schleicht sich bei der Familie Orgon ein. Er schmeichelt und belügt so lange den Hausherren, bis Orgon ihn statt seines ältesten Sohnes zum Alleinerben einsetzt – und ihm sogar die Hand seiner Tochter verspricht. Die ist alles andere als begeistert. Zuletzt erschwindelt sich der fromme Betrüger sogar das Haus und den gesamten Besitz der Familie.

Es war dieses Stück, das Molière am 12. Mai 1664 zum Skandalautoren machte: Aufgeführt ihn Versailles, während der Autor auf dem Höhepunkt seiner Karriere „Vergnügungsdirektor“ des absolutistischen Königs Ludwig des XIV. war, führte die Darstellung eines religiösen Betrügers und die damit einhergehende Kritik an der Macht der katholischen Kirche zum Verbot des Stücks.

Fünf Jahre lang kämpfte Molière dafür, dass sein Stück wieder aufgeführt werden durfte – nach…