Als einer der international renommiertesten Vertreter der spanischen Architektur des 20. Jahrhunderts hinterlässt Ricardo Bofill Hunderte von Gebäuden überall auf der Welt. Seine ikonischen Bauten waren innovative Antworten auf städtebauliche Herausforderungen, mit denen sich Bofill dem rationalistischen und uniformen Baustil entgegenstellte. 

Der Flughafen von Barcelona, das Nationaltheater von Katalonien, die Shepherd School of Music an der Rice University in Texas und das Citadel Center in Chicago sind nur einige seiner bekanntesten Werke. Berühmt wurde er in den 1970er und 1980er-Jahren für seine großangelegten Wohnungsbauprojekte.

Postmoderne Wohnutopie: „Les Espaces d’Abraxas“ in einem Vorort von Paris. Rund 600 Wohnungen sind hier enstanden

„Versailles für das Volk“

Als Sohn eines Architekten wuchs Bofill unter der Franco-Diktatur in Barcelona auf, wo er in den 1950er-Jahren Architektur studierte. Nachdem er 1957 wegen seiner politischen Aktivitäten gegen das Franco-Regime der Architekturschule verwiesen wurde, führte er sein Studium in der Schweiz fort.

In den 1960er Jahren kehrte er nach Barcelona zurück und brachte eine Gruppe von Architekten, Ingenieuren, Soziologen und Philosophen zusammen, um in einer alten Fabrikhalle ein Architekturstudio zu gründen. Damit wollte Bofill die Architektur verändern und nach Alternativen für den sozialen Wohnungsbau suchen.

Aus dieser Ambition entstanden Bauprojekte wie das Viertel „Antigone“ in Montpellier: auf über 400.000 Quadratmetern entwarf Bofill seine Vorstellung eines lebenswerten Stadtviertels. Die Sozialwohnungen, die hier entstanden, entsprachen von der Bauweise her nicht den typischen Plattenbauten, sondern vielmehr antiken Tempeln und Palästen.

Antigone Wohnkomplex: Mit seinen Bauten revolutionierte Bofill den Städtebau

Überall auf der Welt – von Stockholm bis Japan, von den Vereinigten Staaten bis in den Nahen Osten – entwarf Bofill Plätze, Gebäude und Viertel, die seinen…