Die erneute Inhaftierung von Fariba Adelkhah erfolgte nach Angaben des französischen Außenministeriums ohne jegliche Begründung iranischer Stellen und ohne Vorankündigung. Nach Angaben des Unterstützungskomitees der Wissenschaftlerin in Paris wurde Adelkhah ins berüchtigte Evin-Gefängnis am nördlichen Stadtrand von Teheran gebracht.

Die Anthropologin vom renommierten Pariser Institut für politische Studien besitzt neben der französischen auch die iranische Staatsangehörigkeit. Adelkhah war zusammen mit ihrem Kollegen und Lebensgefährten Roland Marchal im Juni 2019 am Flughafen von Teheran festgenommen worden.

Lebensgefährte frei, Adelkhah inhaftiert

Der heute 64-jährige Marchal kam im Zuge eines Gefangenenaustauschs zwischen Paris und Teheran im März 2020 frei. Adelkhah musste in Haft bleiben.

Im Dezember 2019 trat sie mit einer anderen inhaftierten Forscherin, der Australierin Kylie Moore-Gilbert, in einen Hungerstreik. Im Januar teilte ihr Anwalt mit, dass die Anklage wegen Spionage und Verstoß gegen die öffentliche Ordnung fallen gelassen worden sei.

Die heute 62-Jährige wurde im Mai 2020 aber trotzdem wegen „Propaganda gegen das System“ und „Verschwörung gegen die nationale Sicherheit“ zu  fünf Jahren Haft verurteilt. Im Oktober 2020 hatte sie jedoch in den Hausarrest wechseln können, wo sie seither mit einer elektronischen Fußfessel überwacht wurde.

Scharfer Protest aus Paris

Die französische Regierung reagierte empört auf die erneute Inhaftierung der Forscherin. Der Sprecher des Außenministeriums bezeichnete das Vorgehen des Iran als „rein politisch und willkürlich“. Die abermalige Inhaftierung könne sich „nur negativ“ auf die Beziehungen auswirken.

Eine Forderung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Adelkhah sofort freizulassen, war vom Außenministerium in Teheran schon früher zurückgewiesen geworden. Zugleich warf der Iran Frankreich Einmischungen in seine inneren Angelegenheiten vor.

mak/AR (dpa, afp, rtr)