von Florian Schillat
12.01.2022, 06:15 Uhr

Bundeskanzler Olaf Scholz ist niemand, der sich verbal unnötig ausbreitet. Damit ist er lange Zeit gut gefahren, bis an die Regierungsspitze. Nun könnte sein Kommunikationsstil zum Problem werden.

Er kann „Bazooka“ und „Wumms“, unumwunden „empört“ oder voll diebischer Selbstironie sein, seinen Führungsanspruch praktisch einbetonieren, sodass keine weiteren Fragen offen bleiben. Klare Ansagen, das kann Olaf Scholz. Wenn er denn will. Oft will er das nicht. Nicht in der Öffentlichkeit, jedenfalls. 

Scholz will als Bundeskanzler ein Macher sein und niemand, der sich verbal unnötig ausbreitet. „Ich will da einen Stil prägen“, sagte er im Antrittsinterview der „Zeit“. „Es sollte ums Machen gehen und nicht um die Show.“ Was er mache, wenn er zum ersten Mal sein Büro als Kanzler betritt? „Ich mache mich an die Arbeit“, sagte er dem stern. 

SPD-Regierungschef

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Nun ist er ist Bundeskanzler. Damit gerechnet hatte lange Zeit niemand, außer er selbst. Scholz galt als abgeschrieben, agierte im Wahlkampf so geräuschlos, dass die Konkurrenz kaum von ihm Notiz nahm – und dem SPD-Kandidaten damit auf dem Leim ging. Er ist nicht aufgefallen, auch nicht negativ. Und wer nicht negativ auffällt, weckt Vertrauen. Das war seine Strategie, das Kanzleramt seine Prämie.

Doch nun scheint die Strategie an ihre Grenzen zu stoßen. Die Coronakrise hat ein Begehren nach Klarheit geweckt, das nach mehr verlangt als das mechanische Abspulen von Aussagesätzen, für die er als „Scholz-o-Mat“ verspottet wurde, und das Balancieren um eine belastbare Perspektive, die der Opposition nun eine Angriffsfläche bieten.

„Dann muss Olaf Scholz nicht nur sprechen, sondern auch etwas sagen“