„Ich wahr sehr überrascht und konnte das Ganze erst glauben, alsKirill Serebrennikowam vergangenen Samstag tatsächlich in Hamburg gelandet war“, sagt der Thalia-Intendant Joachim Lux gegenüber der DW. Sowohl Lux als auch andere Mitwirkende der Inszenierung von Tschechows Erzählung „Der schwarze Mönch“ am Thalia Theater in Hamburg mussten bis zuletzt davon ausgehen, dass der Regisseur bei den Bühnenproben in Deutschland per Zoom aus Moskau zugeschaltet werden würde.

Der international gefeierte Oper-, Film- und Theaterregisseur mit klarer politischer Haltung wurde im Sommer 2017 unter Hausarrest gestellt. Ihm wurde Veruntreuung von staatlichen Subventionen vorgeworfen, die in sein Theaterprojekt „Gogol-Сenter“ geflossen sein sollen. Nach einem zähen zweijährigen Prozess wurde Serebrennikow zu drei Jahren auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt und mit einem Ausreiseverbot aus Russland belegt.

Regie auf Distanz: In den Jahren seines Hausarrestes hat Serebrennikow per Videokonferenz gearbeitet

Serebrennikows Reiseverbot vorübergehend außer Kraft

Dieses ist nun vorübergehend aufgehoben: „Vielleicht hängt es damit zusammen, dass Kirill die angeblich veruntreuten Gelder zurückgezahlt hat und deswegen jetzt reisen darf, obwohl seine Bewährungsstrafe noch bis Sommer 2023 Gültigkeit hat“, mutmaßt der Thalia-Intendant im DW-Gespräch. Was genau die russische Justiz zu der Aufhebung des Verbots bewegt hat, ist nicht bekannt. Russische Beobachter, wie etwa die Theaterkritikerin Marina Davydova, vermuten eine Entscheidung „von ganz oben“, zumal der Fall von Kirill Serebrennikow von Anfang an ein Politikum war.

Auf jeden Fall freuen sich Lux und seine Belegschaft darüber, ihren Freund und Kollegen in Hamburg begrüßen zu dürfen: „Das ist eine Ermutigung für die Idee der Freiheit und auch für die Kunst. Ich kenne kaum einen Künstler, der mit so großer Menschenfreundlichkeit, innerer Unabhängigkeit und Kompromisslosigkeit für die Freiheit der Kunst brennt…