von Niels Kruse
11.01.2022, 20:42 Uhr

Wann sind die neun Leben des skandalgeplagten Boris Johnson aufgebraucht? Offenbar hat das Büro des britischen Premierministers 100 Mitarbeiter zu „Drinks“ eingeladen, als der Rest des Landes im harten Lockdown war. Es könnte sein letzter Skandal sein.

Seit Juli 2019 ist Boris Johnson britischer Premierminister und nicht wenige fragen sich: Wie konnte er sich solange im Amt halten? Natürlich: Er hatte kurz nach Amtsübernahme die Unterhauswahl gewonnen und das auch sehr deutlich. Und er hatte nicht nur für den Brexit getrommelt, er hat ihn auch durchgezogen. Seine Partei, die Tories, als auch die Briten wussten, wen sie da ans Ruder ließen. Schon als Journalist in Brüssel erfand er Schauergeschichten über die EU, als Bürgermeister von London renovierte er allzu hemdsärmelig den U-Bahn- und Busverkehr, als Außenminister fiel er durch ungeschickte Äußerungen auf und alles in allem galt der Spross einer akademischen Politiker-Familie als Hallodri, klug und unterhaltsam zwar, der sich aber nur selten um sein Geschwätz von gestern schert.

Nun könnte es jedoch tatsächlich eng für den konservativen Regierungschef werden, obwohl auch dieser Satz in den vergangenen Wochen sehr häufig geschrieben, gesagt und gesendet wurde. Denn der Sender ITV veröffentlichte eine E-Mail, die so begann und an rund 100 Mitarbeiter adressiert war: „Es geht um 18 Uhr los, bringt Euren eigenen Alkohol mit“. Bei der offenkundig eher privat anmutenden Veranstaltung sollte es „Drinks auf Abstand“ geben, doch das Problem war: Zu dem Zeitpunkt durften sich coronabedingt nur zwei Personen im Freien miteinander treffen.

Fortsetzung von „Partygate“

Die Party war für den 20. Mai 2020 anberaumt, dutzende Beschäftigte sowie der Regierungschef und seine heutige Frau Carrie Johnson sollen der Einladung von Johnsons Büroleiter Martin Reynolds gefolgt sein. Ort war…