Bei den schweren Unruhen im zentralasiatischen Kasachstan sind offiziellen Angaben zufolge 164 Menschen getötet worden. Das berichtete das Staatsfernsehen unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Zudem sind laut offiziellen Angaben mehr als 2200 Menschen in den vergangenen Tagen verletzt worden. Allein in Almaty hätten rund 1100 Menschen medizinische Hilfe benötigt. Derzeit würden noch mehr als 700 Patienten in Krankenhäusern behandelt, der Zustand von 83 sei noch ernst, hieß es von Seiten des Ministeriums weiter.

Zuvor hatte bereits das Innenministerium in der Hauptstadt Nur-Sultan (früher: Astana) mitgeteilt, dass in ganz Kasachstan 5135 Menschen „festgesetzt“ worden seien. Die Justizbehörden nahmen Ermittlungen gegen die Festgenommenen wegen diverser Vergehen auf. Ihnen werde unter anderem Zerstörung von Einkaufszentren, Bankgebäuden und Polizeifahrzeugen zur Last gelegt, sagte Innenminister Erlan Turgumbajew.

Die kasachischen Behörden bemühen sich derweil, im Land wieder Normalität herzustellen. Dazu sei etwa die Versorgung auch entlegener Regionen mit Grundnahrungsmitteln gesichert worden, verkündete das Handelsministerium. Auch die Versorgung mit Kraftstoff und Flüssiggas sei angelaufen, hieß es aus dem Energieministerium.

Tokajews „Schießbefehl“

Staatschef Kassym-Jomart Tokajew hatte Polizei und Armee am Freitag angewiesen, „ohne Vorwarnung“ auf Demonstranten zu schießen, die er als „Terroristen“ und „Banditen“ bezeichnete. Befürchtet wurde, dass es viele zivile Todesopfer geben könnte – insbesondere in der von den Ausschreitungen schwer erschütterten Millionenstadt Almaty im Südosten Kasachstans.

Ein bei den Unruhen beschädigtes Gebäude in Almaty

Die Ex-Sowjetrepublik, die an Russland und China grenzt, erlebt seit Tagen die schwersten Ausschreitungen seit ihrer Unabhängigkeit Ende 1991. Unmut über gestiegene Treibstoffpreise an den Tankstellen war vielerorts in friedliche, aber teils auch gewaltsame Proteste gegen die…