Irgendwo hinten im weitläufigen Park des Brüsselers Vororts Tervuren waren sie untergebracht – eingepfercht wie in einem Streichelzoo: 267 Frauen und Männer aus der damals belgischen Kolonie Kongo. Auf Geheiß von König Leopold II. nach Belgien gebracht, drapiert unter den Strohdach-Hütten eines Fake-„Kongo-Dorfes“, um vom europäischen Publikum bestaunt zu werden. Bei der Weltausstellung 1897 kamen bis zu 40.000 Besucher am Tag, um sie voller Sensationsgier anzugaffen. Zur Bilanz der Schau gehörten aber auch sieben tote Kongolesen. 

Um ihrer zu gedenken, hat das Königliche Königliche Museum für Zentralafrika Tervuren, das auf dem Geländer der damaligen Völkerschau entstand, die Sonderausstellung „Human Zoos – Die Ära der Kolonial-Ausstellungen“ initiiert ( zu sehen noch bis zum 5. März 2022).

Überlegenheitsanspruch der Kolonialmächte

Belgien wurde erst relativ spät zu einer großen Kolonialmacht. Auf der Berliner Afrika-Konferenz von 1884 und 1885, wo 14 europäische Nationen den Kontinent unter sich aufteilten, bekam der belgische König den Kongo als Privatkolonie zugesprochen – eine Fläche, die 80 Mal so groß war wie sein Heimatland.

Leopold II. verleibte sich den Kongo als Privatkolonie ein

Sein damaliges Afrika-Museum und die eingangs erwähnte Völkerschau machte den Besuchern schon am Eingang den vermeintlichen Überlegenheitsanspruch des Europäers klar: „Belgien bringt dem Kongo die Zivilisation“ stand dort auf dem Messingschild unter einem goldenen Bildnis Leopolds mit zwei dankbaren schwarzen Kindern. Die Wirklichkeit sah anders aus: Rücksichtlos wurden die Rohstoffe des Kongos ausgebeutet, die Menschen als Arbeitskräfte missbraucht – oder eben als exotisches Naturwunder bestaunt. 

Großer Andrang bei Völkerschauen 

Der Andrang auf den Menschenzoo sei enorm gewesen, so der Historiker und Anthropologe Marteen Couttenier, einer der drei Kuratoren der Brüsseler Schau, gegenüber der DW: „Sie präsentierten Menschen aus dem…