Sturm auf das Kapitol
Protest oder Aufstand? Ist Gewalt legitim? US-Republikaner und ihre zunehmend eigene Sicht auf die Welt

Bye, bye US-Kongress: Immer mehr Konservative kehren der Politik den Rücken.

© Drew Angerer/Getty Images / AFP

von Niels Kruse
07.01.2022, 22:10 Uhr

Die Spaltung in den USA lässt sich auch an Umfragen ablesen. Für die meisten Amerikaner sind die Teilnehmer vom Kapitolsturm Randalierer, Republikaner nennen sie lieber Protestierende. Es ist nicht die einzige Art, anders auf die Welt zu blicken.

Gerade einmal zwei Republikaner waren zur Gedenkzeremonie an den 6. Januar des US-Kongresses erschienen, und das waren auch noch Tochter und Vater. Die Abgeordnete Liz Cheney und Dick Cheney, US-Vizepräsident unter George W. Bush. Ansonsten ließ sich niemand von den Konservativen blicken am Jahrestag der Erstürmung des Parlaments. Diesem schwarzen Tag für die amerikanische Demokratie. Das demonstrative Desinteresse mag viele enttäuscht haben, überraschend kommt es nicht. Jedenfalls nicht beim Blick auf die Seelenlage der Republikaner.

In ihrem wöchentlichen Umfragen-Rundumschlag hat die US-Politikstatistik-Seite „FiveThirtyEight“ ein ganzes Bündel über den Blick der Amerikaner auf ihr Land zusammengetragen. Oder vielmehr Blicke, Mehrzahl. Denn selbst so gut dokumentierte Ereignisse wie die Einnahme des Kapitols vor einem Jahr, stellen sich nicht für jeden gleich dar. Immerhin ist sich die Mehrheit darüber einig, dass das Datum ein tragisches Ereignis für das Land sei: 70 Prozent der Amerikaner und 60 Prozent der Republikaner. Das aber war es schon mit der Übereinkunft, selbst bei rechtsstaatlichen Selbstverständlichkeiten wie der Untersuchung der Ereignisse durch einen Ausschuss, gehen die Meinungen auseinander: So wird sie von 59 Prozent der Konservativen schlicht abgelehnt.

Protestierende oder Aufständische?