Am 6. Januar 2002 schaffte Sven Hannawald historisches: Als erster Athlet gewann er alle vier Springen der Vierschanzentournee. Ein Rückblick.

Von Martin Armbruster

Dieser Artikel erschien zuerst bei RTL.de

Tom Bartels ging nicht aus dem Sattel wie 2014, als Mario Götze Deutschland in Rio zum Weltmeister schoss. „Er hat es geschafft, der Mythos der Vierschanzentournee ist besiegt“, sagte der damalige RTL-Kommentator nur – und ließ Sven Hannawald im Auslauf der Paul-Außerleitner-Schanze von Bischofshofen erst einmal „in Ruhe“ explodieren.

Der rhetorische Reporter-Kniff verfing. Die Bilder, wie Hannawald im Trötenlärm seinen historischen Skisprung-Grand-Slam abfeiert, sind auch heute, 20 Jahre später, unvergessen. Wie die Last von dem 63-Kilo-Leichtgewicht abfällt, wie „Hanni“ die Freude über seinen Coup herausschreit. Wie Co-Trainer Wolfgang Steiert DSV-Sportdirektor Rudi Tusch um den Hals fällt und Bundestrainer Reinhard Heß sein Kapperl zieht. Ein kollektiver Gefühlsausbruch – an der Schanze und bei Millionen vor den Fernsehgeräten.

Der 6. Januar 2002 war in gewisser Weise ein Skisprung-Urknall. Hannawald gelang, was seit 1953 bei 49 Tourneen noch keiner geschafft hatte: kein Recknagel, kein Wirkola, kein Weißflog, kein Nykänen. Der damals 27-Jährige gewann alle vier Wettkämpfe der legendären deutsch-österreichischen Schanzenserie. Er bezwang den Mythos, wie Bartels im Moment des Big Bang treffend festhielt.

Sven Hannawald schaffte das Unmögliche

49 Jahre hatte der Grand Slam als Ding der Unmöglichkeit gegolten, als unerreichbarer Skisprung-Olymp. Olaf Björnstad (Norwegen, 1953/54), Helmut Recknagel (DDR, 58/59), Max Bolkart (BRD, 59/60), Toralf Engan (Norwegen, 62/63), Björn Wirkola (Norwegen, 68/69), Yukio Kasaya (Japan, 71/72), Kazuyoshi Funaki (Japan, 97/98). Sie alle hatten die ersten drei…