von Marc Drewello
05.01.2022, 16:30 Uhr

Es waren unvorstellbare Bilder, die am 6. Januar 2021 um die Welt gingen: Ein gewalttätiger Mob stürmte das Kapitol in Washington. Im Plenarsaal war eine Gruppe von Abgeordneten eingeschlossen. Einige fühlen noch heute das Trauma.

Der Angriff auf das US-Kapitol ist jetzt ein Jahr her. Hunderte radikale Trump-Anhänger hatten am 6. Januar 2021 den Sitz des Kongresses gestürmt, als dort der Wahlsieg von Präsident Joe Biden zertifiziert werden sollte. Fünf Menschen starben, unter ihnen ein Kapitolpolizist, der am Tag nach der Attacke einem Schlaganfall erlag, und eine von einem Beamten erschossene Angreiferin. Die Erstürmung des Kapitols sorgte weltweit für Entsetzen, sie gilt als schwarzer Tag in der Geschichte der US-Demokratie, sie erschütterte die Nation – und einige Politiker traumatisiert sie bis heute.

Gefangen auf der Tribüne des Plenarsaals mussten etwa drei Dutzend Mitglieder des Repräsentantenhauses und Reporter miterleben, wie der Mob nach und nach sämtliche Absperrungen durchbrach und ihrem Versteck immer näher kam. Die Eingeschlossenen drängten sich auf der oberen Galerie zusammen und kauerten hinter den Sitzen, während mehrere bewaffnete Beamte die Saaltür verbarrikadierten. Als die Randalierer versuchten, in den Saal einzudringen, riefen sie Angehörige an oder beteten. Manche suchten nach behelfsmäßigen Waffen und bereiteten sich mental auf den Kampf vor. Viele dachten, sie könnten sterben.

Abgeordneter im Kapitol hat Massenerschießung vor Augen

„Als ich aufblickte, wurde mir klar, dass wir in der Falle saßen“, zitiert die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) den Abgeordneten Jason Crow, ein ehemaliger Army Ranger, der dreimal im Irak und in Afghanistan im Einsatz war. „Sie hatten zuerst den Plenarsaal evakuiert. Und sie haben uns vergessen.“

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