Die Geschichte geht nicht gut aus. Das wird dem Großteil der Zuschauer gleich zu Beginn klar sein, schließlich ist historisch belegt, dass Adolfs Hitlers vernichtende Expansionspolitik weder gestoppt wurde, noch fiel er gar einem Attentat zum Opfer. Dennoch ist „München – Im Angesichts des Krieges“ ein fesselndes Seh-Vergnügen dank kluger Dialoge, detailtreuem Szenenbild und überragender Schauspielleistung. Und universellen Fragen: Was kann ein Einzelner tun, wenn die Welt um ihn herum verrückt spielt? Wie weit würde man selbst gehen?

Die Netflix-Neuerscheinung behandelt das Münchner Abkommen von 1938, unterzeichnet von den Regierungschefs Neville Chamberlain, Adolf Hitler, Edouard Daladier und Benito Mussolini. Es beendete die Sudentenkrise, ein von den Nationalsozialisten provozierter internationaler Konflikt. Hitler pochte damals darauf, die tschechoslowakischen Sudentengebiete der dortigen deutschsprachigen Minderheit zu annektieren – koste es, was es wolle. Die drei Millionen Deutsche sollten „heim ins Reich“. Tatsächlich ist es der Auftakt für die gewaltsame Expansion Nazi-Deutschlands; seit 1933 rüstete Hitler bereits die Wehrmacht auf, die Kriegsmaschinerie steht in den Startlöchern.

Konspiratives Treffen: Paul von Hartmann (Jannis Niewöhner, l.) plant den Widerstand gegen Adolf Hitler

Vermeintlicher Frieden

Der Einmarsch in die Tschechoslowakei hätte eine Kettenreaktion ausgelöst: Für Frankreich wäre der Bündnisfall eingetreten und damit auch für Großbritannien. Um diesen internationalen Konflikt zu verhindern, zielten die Westmächte mit ihrer Politik des „Appeasement“, der Beschwichtigung, darauf, Hitler den Wind aus den Segeln zu nehmen. In dem Münchner Abkommen einigten sie sich darauf, dass Deutschland die beanspruchten Gebiete zugesprochen werden – Vertreter der Tschechoslowakei waren nicht eingeladen. Hitler unterzeichnete zähneknirschend. Er malte sich bereits einen Krieg aus, rückblickend vermerkte er 1945 in den Bormann-Diktaten:…