Die Bilder vom 6. Januar 2021 haben sich in das kollektive Gedächtnis der USA eingebrannt: In einer beispiellosen Attacke auf das Herz der US-Demokratie stürmen wütende Anhänger des abgewählten Präsidenten Donald Trump heute vor einem Jahr das Kapitol in Washington, prügeln brutal auf überforderte Polizisten ein und treiben Abgeordnete, Senatorinnen und Senatoren in die Flucht. Stundenlang randalieren sie am Sitz des US-Kongresses. Eine Sitzung des Parlaments, bei welcher der Wahlsieg des künftigen Präsidenten Joe Biden formell bestätigt werden soll, muss unterbrochen werden.

Die Polizisten kämpfen bis zur Erschöpfung, während Parlamentarierinnen und Parlamentarier evakuiert werden oder unter Schreibtischen kauernd um ihr Leben bangen. Doch die Sicherheitsleute können die Überzahl der Randalierer nicht aufhalten. Der Mob überwindet alle Barrieren, schlägt Fenster und Türen ein und dringt sogar bis in den Sitzungssaal vor, wo eine Gruppe von Abgeordneten und Reportern gerade noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden kann. Fünf Menschen sterben, unter ihnen ein Kapitolpolizist, der am Tag danach einem Schlaganfall erliegt, und eine von einem Beamten erschossene Angreiferin.

Kapitol erst nach vier Stunden geräumt

Es sei wie in einer „mittelalterlichen Schlacht“ gewesen, beschrieb der Polizist Aquilino Gonell später den Angriff. Seine Kollegen und er hätten sich Zentimeter für Zentimeter gegen den brutalen Mob verteidigen müssen. Sie wurden geschlagen, getreten, mit Hämmern und Stöcken malträtiert, mit Chemikalien besprüht. „Ich hätte sterben können an jenem Tag. Nicht ein Mal, sondern viele Male“, so der Polizeibeamte des US-Kapitols.

Erst vier Stunden nach der Erstürmung gelang es den Einsatzkräften, die Randalierer aus dem Kapitol zu vertreiben. Und in der Nacht, als der Aufstand vorüber war, trat der Kongress unter rigorosen Sicherheitsvorkehrungen…