Eine griechische Armada segelt gen Osten. Ihr Ziel: Die nach Troja entführte Helena, die schönste Frau der Welt, zurück nach Griechenland zu holen. Zehn Jahre lang belagert die Armee die Stadt, unter ihnen die legendären Krieger Achilles und Odysseus. Doch erst mit einer List können die Männer Troja erobern: Die Krieger verstecken sich in einem hölzernen Pferd, das die ahnungslosen Bewohner Trojas hinter ihre Mauern ziehen. Es ist ihr Untergang.

Der griechische Dichter Homer machte aus diesem Epos der Antike Weltliteratur: Seine „Ilias“ faszinierte unzählige Generationen, und so blieb die untergegangene Stadt in den Köpfen der Menschen lebendig. „Troja markiert trotz seiner Lage in Kleinasien den Anfang der europäischen Geschichte“, sagt Ernst Baltrusch, Professor für Alte Geschichte mit dem Schwerpunkt Römische Geschichte an der FU Berlin, im DW-Gespräch. Homers „Ilias“ habe schon in der Antike eine große Bedeutung gehabt. „Über Griechen und Römer wurde die antike Begeisterung bis in die Gegenwart weitergetragen“, so Baltrusch.

Ein Kindheitstraum wird wahr

Schon im Kindesalter war auch Heinrich Schliemann von Troja fasziniert. Dem am 6. Januar 1822 im heutigen Mecklenburg-Vorpommern als fünftes von neun Kindern einer Pastorenfamilie geborenen Schliemann hatte es das Buch „Weltgeschichte für Kinder“ angetan. Besonders interessierte den damals Siebenjährigen ein Bild der brennenden Stadt. Für den Jungen blieb es unvorstellbar, dass die Stadtmauern nicht mehr vorhanden sein sollten. Und so beschloss er, Troja auszugraben.

Mehr als 40 Jahre hielt Schliemann an diesem Vorhaben fest. 1870 begann er mit unerlaubten Ausgrabungsarbeiten am Hisarlık Tepe (Palasthügel) im heutigen Nordwesten der Türkei, damals Teil des Osmanischen Reiches. Erst anderthalb Jahre später, am 11. Oktober 1871, bekam er die offizielle Erlaubnis aus Konstantinopel, die Ausgrabungsarbeiten fortzuführen – nach einer Intervention der amerikanischen Botschaft, deren…