Tina Modottis Schwarz-Weiß-Fotos hängen bei Madonna im Wohnzimmer. Zumindest ist das vorstellbar, denn der US-Superstar zählt zu der prominenten Sammlerschar von Modottis bis heute modernen Aufnahmen aus den 1920er-Jahren. Gemeinsam haben die beiden ihre italienische Herkunft und die Einwanderungsgeschichte ihrer Familien in die USA. Beide Frauen stammen aus einfachen, sogar armen Verhältnissen. Doch ihr Talent, ihr Aussehen und ihr Wille haben beide Frauen zu sozialen Aufsteigerinnen gemacht.

Pablo Neruda, Frida Kahlo, Diego Rivera – berühmte Freunde der Tina Modotti

Tina Modotti, gezeichnet von Diego Rivera

Das Leben der radikalen Fotografin und Kommunistin Tina Modotti fand jedoch ein jähes Ende, mit nur 45 Jahren starb sie vor 80 Jahren plötzlich in einem Taxi. Ihr chilenischer Freund Pablo Neruda – Schriftsteller, Antifaschist und Literaturnobelpreisträger – schrieb über diesen Verlust ein Gedicht. Die junge Frida Kahlo und ihr Geliebter Diego Rivera – beide ebenfalls künstlerisch und politisch in Mexiko aktiv – gehörten zu Modottis mexikanischem Freundeskreis.

Zuckerrohr, fotografiert von Tina Modotti

Modottis Aufnahmen von Rosen, Innenräumen oder einem Baby an der Brust aus den 1920er-Jahren hatten erheblichen Einfluss auf die Fotografie. Sie sind heute fast 100 Jahre alt, doch in ihrer Schlichtheit und Eleganz zeitlos, aktuell – und teuer. Modotti – im August 1896 vor 125 Jahren geboren – war eine moderne Frau, die ihr Leben selbst bestimmte. Dazu gehört auch, dass sie an den politischen Ereignissen ihrer Zeit teilnahm. Sie fotografierte Proteste der mexikanischen Landarbeiter in den 1920er-Jahren und trat 1927 in die mexikanische Kommunistische Partei ein. Gleichzeitig war Modotti gefragte Porträtfotografin für die reiche Oberschicht des Landes. 1930 wurde sie aus politischen Gründen aus ihrer Wahlheimat ausgewiesen.

Sexuelle Unabhängigkeit statt Heirat, Revolution statt Kunst

Modotti hielt diese mexikanischen Arbeiter bei der…