Wegen sexistischer Formulierung
SPD-Politikerin Chebli erstreitet Schmerzensgeld von Publizist Tichy

Sawsan Chebli, ehemals Staatssekretärin, spricht auf einer Pressekonferenz

© Wolfgang Kumm / DPA

Nach frauenfeindlichen Äußerungen über die Berliner SPD-Politikerin Sawsan Chebli hat die 43-Jährige nun ein Schmerzensgeld erstritten. Der Publizist Roland Tichy muss mehrere tausend Euro zahlen.

Das Landgericht Berlin entschied, dass Roland Tichy 10.000 Euro an die SPD-Politikerin Sawsan Chebli zahlen muss, wie Cheblis Anwalt Christian Schertz und ein Gerichtssprecher am Dienstag übereinstimmend der Deutschen Presse-Agentur sagten (Az 27 O 195/21). Tichys Verlag äußerte sich auf schriftliche dpa-Anfrage zunächst nicht zu dem Urteil und zum möglichen weiteren Vorgehen.

In einer Kolumne in der Monatsschrift „Tichys Einblick“ hatte ein Autor über Cheblis Kandidatur für den Bundestag geschrieben und dabei eine sexistische Formulierung benutzt. Der im September 2020 veröffentlichte Beitrag hatte wegen dieser Wortwahl bundesweit für Wirbel gesorgt. Diverse Persönlichkeiten solidarisierten sich öffentlich mit Chebli, die bis Dezember 2021 Staatssekretärin für bürgerschaftliches Engagement und Internationales in der Berliner Senatskanzlei war.

Die damalige Staatsministerin für Digitales in der Bundesregierung, Dorothee Bär (CSU), kündigte aus Protest gegen Tichy ihre Mitgliedschaft in der Ludwig-Erhard-Stiftung. Wenig später gab Tichy den Vorsitz der Stiftung ab.

Chebli hatte bereits eine Unterlassungserklärung Tichys erwirkt

In einem früheren Verfahren hatte Chebli bereits eine Unterlassungserklärung Tichys erwirkt. „Es war mir wichtig, auch hier ein Zeichen zu setzen und zu zeigen, dass Sexismus niemals Normalität sein darf und er nicht ohne Konsequenzen bleibt“, sagte sie zu dem neuen, am 16. Dezember ergangenen…