Regierung zurückgetreten
Protestwelle überzieht Kasachstan: Demonstranten besetzen Regierungsgebäude, Präsidenten-Residenz in Flammen

Kasachstan, Almaty: Bereitschaftspolizisten blockieren eine Straße, um Demonstranten aufzuhalten

© Vladimir Tretyakov / DPA

von Ellen Ivits
05.01.2022, 13:17 Uhr

Was mit Kundgebungen gegen gestiegene Gaspreise begann, ist innerhalb weniger Tage zu einer landesweiten Protestwelle eskaliert. In Kasachstan gehen tausende Menschen auf die Straße, in mehreren Städten wurden Stadtverwaltungen gestürmt. Eine gefährliche Lage, nicht nur für die Machthaber in Kasachstan. 

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Schangaösen ist eine unbedeutende Stadt im Südwesten Kasachstans. Doch hier nahm am vergangenen Wochenende eine Protestwelle ihren Lauf, die inzwischen das gesamte Land erfasst hat. Die gestiegenen Preise auf Flüssiggas an den Tankstellen trieben die Menschen bei Eiseskälte auf die Straße. Nach Neujahr waren die Preise um 100 Prozent erhöht worden. Am Sonntag tauchten auch im Zentrum der Hauptstadt Kasachstans Nur-Sultan im Norden des Landes erste Demonstranten auf. Zwei Tage später breiteten sich die Proteste auf die gesamte zentralasiatische Republik aus.

Im Versuch, die Proteste zum Erliegen zu bringen, kündigte die Regierung eine Senkung der Gaspreise an. Doch vergeblich. Aus wirtschaftlichen wurden schnell politische Forderungen. Am Dienstagabend marschierten tausende Menschen durch die Hauptstadt und skandierten „Alter Mann, geh weg!“. Gemeint ist Kasachstans Langzeitherrscher Nursultan Nasarbajew. 2019 trat er zwar nach drei Jahrzehnten als Präsident zurück. Doch als Vorsitzender der Partei Nur Otan, Chef des Sicherheitsrats und „Führer der Nation“ hält er alle Fäden der Macht weiter in seinen Händen.

Einen Rücktritt seines Herren konnte der offizielle Nachfolger im Amt des…