von Leonie Scheuble
05.01.2022, 09:55 Uhr

Im Kampf gegen die Atomkraft steht Deutschland in Europa derzeit ziemlich allein dar: Die EU-Kommission will sie mit einem grünen Label versehen, andere EU-Länder sind bereits mit dem Bau neuer AKWs zugange.

Das neue Jahr begann für viele Umweltschützer zunächst mit guten Nachrichten. Über die Silvesternacht hatte sich die Zahl der aktiven Atomkraftwerke (AKWs) von sechs auf drei halbiert. Wie geplant gingen die Meiler in Brokdorf (Schleswig-Holstein), Grohnde (Niedersachsen) und Gundremmingen (Bayern) vom Netz. Bis zum Jahresende will Deutschland der Atomkraft endgültig absagen – gut ein Jahrzehnt nach dem Reaktorunfall im japanischen Fukushima.

Doch die Freude währte nicht lange. Während Atomkraftgegner noch ihren über viele Jahre erkämpften Sieg feierten, erreichte die EU-Mitgliedsstaaten eine E-Mail aus Brüssel. Darin schlägt die EU-Kommission vor, im Rahmen der sogenannten Taxonomie die Atomkraft ebenso wie Gas unter bestimmten Bedingungen als grüne Technologien einzustufen. Das klimafreundliche Label soll Investoren motivieren, in nachhaltigere Technologien und Unternehmen zu investieren und so ihren Teil zur Klimaneutralität Europas bis 2050 beizutragen.

Der Vorstoß der EU-Kommission ist jedoch höchst umstritten. Klimaschützer fürchten, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien darunter leiden wird, wenn auch Investitionen in Atom- und Gaskraftwerke als nachhaltig gelten. Die Bundesregierung begrüßte zwar die Entscheidung zu Gas als Brückentechnologie, kritisierte jedoch den Atomkraft-Vorschlag scharf. Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) sprach von „Greenwashing“, seine Parteikollegin und Umweltministerin Steffi Lemke bezeichnete die Pläne als „absolut falsch“.

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