Als der Maler Max Pechstein im Mai 1914 den Luxusdampfer „Derfflinger“ bestieg, um in die damaligen deutschen Kolonien in der Südsee zu reisen, befand er sich auf dem Höhepunkt seiner künstlerischen Karriere. Innerhalb weniger Jahre hatte er sich in Berlin einen Namen gemacht, und die Kunstkritiker feierten seine neue, radikal moderne Art zu malen: Der junge Pechstein galt als Vorzeigekünstler des gerade erst geborenen Expressionismus‘.  

Warum aber verließ Pechstein ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt das kulturelle Zentrum Berlin, um auf die Palau-Inseln zu ziehen, einem winzigen Stück Land im Pazifik, das seit 1899 eine Kolonie des damaligen Deutschen Kaiserreichs war?

Die Suche nach Ursprünglichkeit

Beschrieb die Reise in die Südsee als „Verwirklichung meines Herzenswunsches“: Max Pechstein.

Für Max Pechsteins Reise lassen sich mehrere Gründe finden: Nach einer Begegnung mit den Dresdener Künstlern Ernst Ludwig Kirchner und Erich Heckel trat Max Pechstein ihrer Künstlervereinigung „Brücke“ bei, die neben dem „Blauen Reiter“ die bis heute bekannteste Expressionisten-Gruppe Deutschlands ist. Obwohl die Kunst der „Brücke“-Künstler den Kritikern anfangs sogar zu modern war, einte sie vor allem ihre kritische Haltung gegenüber den Auswüchsen der modernen, westlichen Zivilisation.

Pechstein und Co. sträubten sich gegen die engen gesellschaftlichen und künstlerischen Regeln im Kaiserreich und sehnten sich stattdessen nach Ursprünglichkeit. In ihrer Kunst suchten sie, wie Max Pechstein in seiner Autobiographie später formulierte, die „unentweihte Einheit von Natur und Mensch“. Diese ursprüngliche Einheit von Mensch und Natur glaubten die Künstler unter anderem in den deutschen Südsee-Kolonien finden.

Für die Darstellung der fünf schemenhaften Menschen im Hintergrund inspirierte sich Max Pechstein an den Malereien auf einem Dachbalken aus einem „Männerhaus“, wie sie auf den Palau-Inseln üblich waren

Die Primitivisten profitierten vom Kolonialismus…