von Rune Weichert
04.01.2022, 14:30 Uhr

Die EU-Kommission plant, dass Investitionen in neue Atomkraftwerke als nachhaltig eingestuft werden sollen. Das sorgte für Protest in Deutschland. Finnland hingegen setzt auf Kernkraft für Klimaneutralität. Sogar dortige Klimaktivist:innen finden das eine gute Idee.

Deutschland verabschiedet sich von der Atomkraft: Zum Jahreswechsel wurden die drei Atomkraftwerke in Brokdorf, Grohnde und Gundremmingen stillgelegt. Die drei allerletzten deutschen AKW bei Landshut, im Emsland und bei Heilbronn sollen zum Jahresende folgen. Nun sorgen aber Pläne der EU-Kommission für Wirbel. Denn die plant indirekte Förderungen moderner Atom- und Gaskraftwerke.

Konkret sehen die Pläne vor, dass geplante Investitionen in neue AKWs als nachhaltig klassifiziert werden können, wenn die Anlagen neuesten Technik-Standards entsprechen und ein konkreter Plan für eine Entsorgungsanlage für hoch radioaktive Abfälle spätestens 2050 vorgelegt wird. Zudem soll Bedingung sein, dass die neuen Anlagen bis 2045 eine Baugenehmigung erhalten. 

Finnland steht Atomkraft positiv gegenüber 

Die Kommissions-Pläne sorgen für Entsetzen bei Umweltschützern und Kernkraftgegnern. Greenpeace und die Deutsche Umwelthilfe warfen der Brüsseler Behörde am Wochenende vor, ein vollkommen falsches Signal zu setzen und ihre eigenen Klimaziele zu untergraben. Auch die Bundesregierung übte Kritik. Die „Hochrisikotechnologie“ Atomenergie als nachhaltig zu etikettieren, sei falsch, sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Der Atommüll werde die EU über Jahrhunderte belasten. Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) sagte: „Atomkraft ist zu riskant, zu teuer und zu langsam, um der Welt beim Klimaschutz zu helfen.“

Anders sieht man das in Finnland. Das Land will bis 2035 zwar auch klimaneutral werden, setzt dafür aber auf Atomkraft – und…