von Niels Kruse
04.01.2022, 16:15 Uhr

Die Erstürmung des US-Kongressgebäudes jährt sich am 6. Januar und es ist unklar, welche Rolle das Team um den damaligen Präsidenten Donald Trump gespielt hat. Sicher ist: Es hatte seine „Kommandozentrale“ um die Ecke, im berühmten Willard Hotel.

Die Lobby des Willard Hotel in der Pennsylvania Avenue in Washington DC. war schon Mitte des 19. Jahrhunderts ein Treffpunkt für Einflussreiche und solche, die es werden wollten. Ulysses S. Grant, 18. US-Präsident, hatte sich dort regelmäßig einen Feierabenddrink gegönnt, und wurde dabei von Einflüsterern und Jobsuchenden regelrecht belagert. „Lobbyisten“ nannte er sie verächtlich. Das Fünf-Sterne-Haus liegt nur fünf Fußminuten vom Weißen Haus entfernt und hat nichts von seinem Charakter der Macht verloren – vor allem nicht bei denen, die im Begriff sind, eben jede Macht zu verlieren.

Der 6. Januar begann mit einer Formalie

So auch vor ziemlich genau einem Jahr. Am 6. Januar 2021 sollte der damalige Vizepräsident der USA, Mike Pence, vor dem Kongress das Wahlergebnis bestätigen. Eigentlich eine Formalie. Nicht allerdings in der Ära Donald Trump. Denn der US-Präsident leugnete schlicht seine Abwahl und hatte seinem Stellvertreter daher signalisiert, was er von ihn erwartet: Nichts anderes als die Aberkennung des Wahlergebnisses, was einem Bruch der Verfassung gleichgekommen wäre. Pence tat nicht wie geheißen und am Ende dieses Mittwochs hatten fast 1000 Aufrührer das Kapitol verwüstet und fünf Menschen ihr Leben verloren. Am Tag zuvor saß im Willard Hotel ein Vertrauter Trumps und erklärte in einem Interview: „Wir befinden uns in einem nationalen Notstand.“

Es war Michael Flynn, der diesen Satz im Gespräch mit dem Verschwörungstheoretiker Alex Jones sagte. Trumps ehemaliger Sicherheitsberater gehört zu einem Kreis von Mitstreitern, die sich um den 6. Januar herum in…