Lautstarke Minderheit
„Erheblicher Fanatismus“: Die Sorge über Radikalisierung von Corona-Demonstranten wächst

Demonstranten eines unangemeldeten sogenannten Corona-Spaziergangs in München diskutieren aufgebracht mit Polizisten, die sie eingekesselt haben

© Peter Kneffel / DPA

Keine Abstandsregeln, Angriffe auf Polizisten und Hass auf den Staat: Experten befürchten eine Radikalisierung. Und tatsächlich: Bei den Protesten gegen die Corona-Politik braut sich eine explosive Mischung zusammen. Rechtsextreme befeuern die Stimmung gezielt.

Es ist eine Minderheit, aber sie ist lautstark und bestimmt derzeit die Bilder in sozialen und anderen Medien: Die Proteste gegen Corona-Maßnahmen und eine mögliche Impfpflicht in Deutschland haben zum Jahresende 2021 stark zugenommen und reißen im neuen Jahr nicht ab. Sicherheitsbehörden befürchten eine zunehmende Aggressivität der Demonstranten. Zuletzt wurden zahlreiche Polizisten in Bautzen, Mannheim und anderswo attackiert und verletzt. Doch wer sind diese Menschen, die Schutzmaßnahmen bewusst missachten und sich staatlichen Anordnungen widersetzen?

„Impfgegner, ‚Corona-Leugner‘, Politikverdrossene und ‚Verlierer‘ der Krise werden von extremistischen Akteuren und Ideologien gezielt adressiert“, heißt es beim Innenministerium in Stuttgart. Dadurch bestehe die Gefahr einer extremistischen Vereinnahmung und zum Teil auch Radikalisierung dieser Personengruppen. „Der Staat und seine Repräsentanten werden von den Extremisten nicht auf legitime Weise kritisiert, sondern massiv angefeindet.“ Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes in Baden-Württemberg könnten Aufrufe aus diesen Kreisen gerade auf „labile Einzelpersonen“ motivierend wirken.

Viele Ostdeutsche misstrauen dem Staat

Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) geht davon aus, dass eine Impfpflicht die Stimmung auf den Straßen weiter anheizen…