DW: Sie sind Vize-Europameister und im Frühjahr 2022 haben Sie sogar die Chance, sich für das Kandidatenturnier zu qualifizieren, bei dem der nächste Gegner für Weltmeister Magnus Carlsen ermittelt wird. Sehen Sie sich schon als ein Weltklasse-Spieler?

Vincent Keymer: Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich schon Weltspitze bin. Das kann man wirklich noch nicht sagen. Es gibt viele starke Spieler, die es alle noch nicht geschafft haben, in die Weltspitze vorzudringen. Dann weiß man, dass das noch extrem viel Arbeit ist und noch dauern wird – normalerweise zumindest. Klar, ich bin jetzt näher dran. Aber trotzdem muss man ja feststellen, dass es nur wenige Spieler überhaupt irgendwann einmal schaffen, in ein Kandidatenturnier für die Weltmeisterschaft zu kommen.

Vor zwei Jahren, mit 14 Jahren, haben Sie zum ersten Mal  gegen Weltmeister Magnus Carlsen gespielt – und haben knapp verloren. Wie war es, gegen Carlsen anzutreten?

Ich war ganz schön nervös. Gegen den Weltmeister zu spielen, mitten in einer riesigen Halle, das ist natürlich etwas Besonderes. Ich habe die ersten Züge auch ein bisschen zu langsam gespielt, unter anderem, weil ich so aufgeregt war. Dann habe ich mich irgendwie mehr auf die Partie fokussiert und das andere ausgeblendet. Carlsen wollte die Partie gegen mich natürlich gewinnen. Dafür musste er auch ein Risiko eingehen und hoffen, dass ich genug Fehler mache. Nach der Partie haben wir dann noch kurz gesprochen. Er hat mir gesagt, dass ich gegen Ende sogar noch eine Möglichkeit verpasst hatte, Remis zu spielen.  

Ab März 2020 war auch der Schachsport fast komplett im Lockdown. Wie haben Sie die Zeit erlebt?

Ich habe sehr gerne und viel online gespielt. Dennoch finde ich, dass das Spiel mit langer Bedenkzeit das ist, was Schach ausmacht. Deshalb habe ich mich auch gefreut, als jetzt die Live-Turniere wieder angefangen haben. Denn ich hatte ja eine extrem lange Trainingszeit, in der ich nicht richtig am Brett gespielt habe. Ich wusste…