Mehr Schule und weniger Schach – das hatte sich Vincent Keymer eigentlich für den Jahreswechsel vorgenommen. „Seit Juni habe ich viele Turniere gespielt: Deswegen bin ich nicht so oft in der Schule gewesen und habe viel verpasst“, erzählt der 17-jährige. Doch aus dem Plan, sich ausschließlich auf das Abitur zu konzentrieren, wird nun nichts. Denn der Schüler hat sich vor einigen Wochen einen Platz in der Grand-Prix-Serie des Weltschachbundes erkämpft, einem Qualifikationsturnier für die nächste Schach-WM. Schon im Februar geht es los. Die schriftlichen Abitur-Prüfungen seien zum Glück schon im Januar durch, so Keymer im Gespräch mit der DW. „Ich werde mich so gut es geht trotz der Schule auf die Turniere vorbereiten.“ 

Fast immer der Jüngste

Schach macht Spaß: Vincent Keymer

Vincent Keymer (Leistungskurse Mathematik, Englisch, Deutsch) ist der erste Deutsche seit fast 50 Jahren, der in die Nähe eines Weltmeisterkampfes kommen könnte. Dass dies schon im nächsten Jahr klappt, ist eher nicht zu erwarten. Denn in der Grand-Prix-Serie, die in Berlin und Belgrad ausgetragen wird, muss er gegen 23 Weltklasse-Spieler antreten. Nur zwei von Ihnen werden sich am Ende für das Kandidatenturnier qualifizieren, bei dem der nächste Herausforderer von Weltmeister Abonnement-Titelträger Magnus Carlsen ermittelt wird.

Keymer ist im Grand-Prix mit Abstand der Jüngste. „Ich bin noch nicht in der Weltspitze“, sagt er. So schätzt der selbstbewusst als auch besonnen wirkende Schüler seine aktuelle Position realistisch ein. „Man muss ja feststellen, dass es nur wenige Spieler überhaupt irgendwann einmal schaffen, in ein Kandidatenturnier für die Weltmeisterschaft zu kommen.“

Kontrollierte Offensive

Dabei beeindruckt Keymer inzwischen auch gegen Spitzenspieler mit gut ausbalanciertem Offensivschach. Und wenn es am Ende kompliziert wird, behält er meistens die Übersicht. Beim Elite-Turnier „Grand Swiss“ in Riga im November lief es besonders gut für Keymer. So gut, dass…