Grüner Atomstrom?
EU-Kommission will Atomenergie als klimafreundlich einstufen – kritische Reaktionen aus Deutschland

Dampf steigt aus den Kühltürmen des Atomkraftwerks Grohnde auf. Nach rund 36 Jahren ging das Kernkraftwerk im Weserbergland bei Hameln am 31. Dezember 2021 endgültig vom Netz. 

© Julian Stratenschulte / Picture Alliance

Die EU-Kommission will die Energiegewinnung aus Erdgas- und Atomanlagen als klimafreundlich einstufen. Aus der Politik und von der Umwelthilfe kommen prompt erste kritische Reaktionen.

Grüne Energie aus dem Reaktor? Laut einem Verordnungsentwurf der EU-Kommission, welcher der Nachrichtenagentur AFP am Samstag vorlag, soll Energie aus Erdgas- und Atomkraftwerken als nachhaltig gelten. Demnach sollen bis 2045 erteilte Genehmigungen für neue Atomkraftwerke unter die sogenannte Taxonomieverordnung fallen und der Bau entsprechend gefördert werden können. Für neue Gasinfrastruktur soll dies demnach unter bestimmten Voraussetzungen bis 2030 gelten.

Die Taxonomie ist eine Art Klassifizierung nachhaltiger Wirtschaftsaktivitäten und kommt einer Einstufung als förderwürdig und einer Empfehlung an Investoren gleich. Den entsprechenden Rechtsakt hatte die EU-Kommission bereits im April vorgestellt. Die heikle Frage der Bewertung von Gas- und Atomenergie ließ die Behörde damals jedoch aus. Es sollten noch weitere Experten-Berichte und Bewertungen abgewartet werden.

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