Im Sudan haben Sicherheitskräfte Tränengas gegen mehrere zehntausend Demonstranten eingesetzt. Die Brückenverbindungen in die Hauptstadt Khartum wurden gesperrt und erstmals alle Telefonverbindungen ins In- und Ausland gekappt, seit es die Proteste gegen den Militärputsch vom 25. Oktober gibt. Auch Internetverbindungen wurden blockiert. Polizei und Militär patrouillierten überall in Khartum.

Die Demonstranten gelangten bis auf wenige hundert Meter an den Präsidentenpalast heran, das Hauptquartier von Militärchef Abdel Fattah al-Burhan. Sie skandierten „Nein zur Militärherrschaft“ und „Militärs in die Kasernen!“.

Dann wurden sie von Soldaten, Polizisten und para-militärischen Milizen mit Tränengas zurückgedrängt. Mehrere Verletzte wurden von den Demonstranten in Sicherheit gebracht. In Khartums Nachbarstadt Omdurman sei auch scharfe Munition zum Einsatz gekommen, teilte das sudanesische Ärzte-Komitee mit. Drei Menschen sind nach Agenturangaben dabei getötet worden.

Kein einfacher Zugriff für die Sicherheitskräfte – dieser Mann brachte sich weit oben in Sicherheit

Ähnliche Proteste gab es nach Berichten von Augenzeugen auch in Madani, südlich der Hauptstadt, sowie in den Städten Kassala und Port Sudan. Mit ihren Protesten trotzten die Demonstranten auch einer Ausgangssperre, die von den Behörden des nordostafrikanischen Staates verhängt worden war.

Verbale Unterstützung aus dem Ausland

Vor den Demonstrationen waren neue Überwachungskameras an den Demonstrationsrouten in Khartum installiert worden. Die Internet-Gruppe Netblocks berichtete, dass ab dem Morgen auch mobile Internetverbindungen abgeschaltet wurden, über die Aktivisten ihre Aktionen live übertragen und zu Demonstrationen aufrufen.

Die US-Botschaft rief zur Zurückhaltung auf und bekräftigte „ihre Unterstützung für die friedliche Äußerung demokratischer Bestrebungen“ und den Schutz der Meinungsfreiheit. Sie forderte die Behörden zudem auf, „von willkürlichen Festnahmen abzusehen“.