Patti Smith wird am 30. Dezember 1946 in Chicago geboren und wächst mit ihren Geschwistern in New Jersey auf. Die Mutter ist Zeugin Jehovas, der Vater Atheist. Die Kinder werden in strengem Glauben erzogen. Patti will Lehrerin werden. Während des Studiums wird sie schwanger. Sie bekommt das Kind und gibt es zur Adoption frei. Das Studium bricht sie ab. Sie ist noch keine 20, als es sie in die Künstlerszene von New York verschlägt, wo sie das pralle Leben abbekommt: Kunst, Drogen, Musik, extreme Leute, kreative Köpfe, Partys, Bewusstseinserweiterung. Ihre Idole sind damals die Dichter Charles Baudelaire und Arthur Rimbaud (dessen Haus sie Jahrzehnte später kaufen wird), die Musiker Jimi Hendrix, Brian Jones und Jim Morrison.

Poesie im Punk-Club

Sie geht in die Kneipen und Clubs, um dort ihre Gedichte vorzutragen, im Vorprogramm von Rockbands. Ihr erster großer Auftritt ist im Februar 1971: Patti Smith steht im Rahmen einer angesagten Poetry-Reihe auf der Bühne, im Publikum sitzen die New Yorker Szene-Stars: Allen Ginsberg, Andy Warhol, Lou Reed, Sam Shepherd und andere. Sie trägt ihr 60 Sekunden langes Gedicht „Oath“ vor: „Christ died for somebody’s sins, but not mine (…) Christ, I’m giving you the goodbye, firing you tonight. I can make my own light shine.“ Ein Gruß an ihre Mutter, deren Religiosität Patti in ihrer Kindheit fast erstickt hatte.

1978 im Londoner Rainbow Theatre

In den folgenden Jahren bringt sie „Oath“ immer wieder zu Gehör, manchmal auch begleitet vom Gitarristen Lenny Kaye, der ihre Worte mit schrägen und verzerrten Akkorden untermalt. Sie veröffentlicht zwei Gedichtbände. „Oath“ kommt nicht drin vor. Das hebt sie sich für etwas anderes auf, sie weiß nur noch nicht, für was.

Sie jammt mit Gitarrist Lenny und dem Keyboarder Richard Sohl . „Unsere Songs hatten drei Akkorde“, erzählt Patti dem US-Radiomagazin „Fresh Air“ 2006, „damit ich gut drauf improvisieren konnte.“ Schon bald haben sie sich für eine erste Single entschieden: Eine…