Im Februar outeten sich 185 Schauspielerinnen und Schauspieler im Magazin der Süddeutschen Zeitung. Mit dieser Aktion wollten sie darauf aufmerksam machen, dass es selbstverständlich auch unter Filmleuten lesbische, schwule, queere, non-binäre bi-, trans- und intersexuelle Menschen gibt. Doch statt damit offen umzugehen, würden viele ihre sexuelle Identität verstecken, weil sie berufliche Konsequenzen fürchteten. Unter dem Hashtag #actout schoben sie eine Debatte über die Sichtbarkeit queerer Lebensentwürfe und Diversität in Film und Fernsehen an.

Im Sommer wurde die erste Staffel der Reality-Show „Princess Charming“ ausgestrahlt, in der lesbische und bisexuelle Frauen und Menschen, die sich als non-binär bezeichnen, um die „Princess“ buhlten. Es war die erste TV-Show ihrer Art weltweit und gar nicht so trashig, wie man es normalerweise von Reality-Formaten erwarten würde. Im Gegenteil: Die Show räumte mit Stereotypen auf, die Kandidatinnen sahen sich als Aufklärerinnen und wollten anderen Mut machen, zu sich, zu ihrer Sexualität, zu ihrem Körper zu stehen.  

EU und Konzerne stellen sich hinter die LGBT-Community 

Im Juli sagte die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, den bemerkenswerten Satz: „Europa wird es nie zulassen, dass Teile seiner Gesellschaft stigmatisiert werden: wegen der Person, die sie lieben, wegen ihres Alters, wegen ihrer politischen Meinungen oder wegen ihrer religiösen Überzeugungen.“ Es war eine Ansage, die vor allem auf die Politik der EU-Staaten Ungarn und Polen abzielte, wo Aufklärung über sexuelle Vielfalt stark eingeschränkt ist und es sogenannte „LGBT-freie Zonen“ gibt.

DW-Kulturredakteurin Kristina Reymann-Schneider

Einige Monate später fror die EU Corona-Hilfen für Polen ein, weil das Land nicht von seiner Anti-LGBT-Politik abrückte. Die neue Bundesregierung kündigte im November in ihrem Koalitionsvertrag an, die Rechte queerer Menschen zu stärken, unter anderem durch eine Abschaffung des…