Das Kino „Palace“ unweit der Grand Place in Brüssel darf wie alle anderen Lichtspielhäuser in Belgien geöffnet bleiben. Die belgische Regierung hat die vorübergehende Schließung der Kinos, Konzertsäle, Theater und weiterer Kulturstätten zurückgenommen. Eigentlich sollten sie alle bis Ende Januar aus Furcht vor der Corona-Variante Omikron und der damit verbundenen Ansteckungswelle geschlossen bleiben.

Am Dienstag, 27. Dezember, jedoch hob der belgische „Staatsrat“, vergleichbar mit einem obersten Verwaltungsgericht, die geplanten Corona-Maßnahmen auf: Im Urteil heißt es, die Schließung von Kultureinrichtungen und Veranstaltungen, die ein Hygienekonzept und Abstandsregeln einhalten können sei nicht verhältnismäßig. Die Regierung setzte das Urteil unverzüglich um.

„Ein historischer Moment“

Am Wochenende hatten Kulturschaffende, Theatermacher und Veranstalter in Brüssel gegen die Maßnahmen demonstriert und gegen die am 22. Dezember beschlossenen Einschränkungen beim Staatsrat Beschwerde eingelegt. Der belgische Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke wollte den Kultursektor nur „schrittweise“ im Januar wieder öffnen. Der Staatsrat machte dem vorsichtigen Minister nun einen Strich durch die Rechnung. Stany Crets, ein bekannter Schauspieler aus dem belgischen Landesteil Flandern, hat die Proteste in Brüssel mitorganisiert.

Er sprach gegenüber dem Fernsehsender VRT von einem „historischen Moment, nicht nur für den Kultursektor, sondern auch für die gesamte Kulturpolitik in Belgien.“ Der Sprecher der flämischen Schauspielergilde, Michael Pas, kündigte an, er wolle wegen der guten Nachrichten eine Flasche Champagner entkorken.

Am zweiten Weihnachtstag gingen Kulturschaffende für die Öffnung von Kultureinrichtungen auf die Straße

Der ursprüngliche Beschluss des „Corona-Koordinierungsausschusses“ in Belgien, der mit der Ministerpräsidentenkonferenz in Deutschland zu vergleichen ist, war von Anfang an umstritten. Politiker verschiedener…