„Wir haben lang genug geliebt und wollen endlich hassen!“, schreibt der 24-jährige Dichter Georg Herwegh im Jahr 1841. Er ruft dazu auf, die Liebe durch den Hass zu ersetzen, die „Tyrannei auf Erden“ zu erkämpfen und die „Ketten der Unterdrückung“ zu brechen. Herwegh zählt zu den wichtigsten politischen Dichtern im sogenannten „Vormärz“, der Zeit vor der Revolution, die im März 1848 ihren Anfang nahm. Er und seine Gleichgesinnten wollen mit Gewalt die Herrschaft der Fürsten im Deutschen Bund umstürzen. Denn damals gab es noch kein geeintes Deutsches Reich, stattdessen einen lockeren Verbund von Staaten und vier freien Städten, die überwiegend von Fürsten regiert wurden. 

Der Hass Herweghs und seiner Mitstreiter richtete sich gegen diese adeligen Machthaber und die bestehende Ordnung. Alle Mittel waren den radikaldemokratischen Aufständischen recht. Doch die Revolution scheiterte, und die demokratischen Kräfte wurden nachhaltig geschwächt.

„Das Lied des Hasses“ von Georg Herwegh im Rahmen der Revolution 1848/49 ist nur eines der Themen der Ausstellung „Hass. Was uns bewegt“ im Haus der Geschichte Baden-Württemberg. Insgesamt 200 Objekte stellen den Hass zur Schau – in all seinen Formen und Ausprägungen. Frauen werden ebenso gehasst wie Juden, „Ungläubige“ oder „Fremde“: Die Ausstellung beschäftigt sich mit den Abgründen der menschlichen Seele.

Hass ist kein neues Phänomen

„Ich habe zu viel Hass gesehen, als dass ich hassen möchte“, so wird der Bürgerrechtler Martin Luther King zitiert. Doch auch 50 Jahre nach seiner Ermordung ist Hass immer noch eines der zentralsten Phänomene unserer Gesellschaft. Und so zieht sich im Haus der Geschichte durch alle Ausstellungsräume ein „Dickicht des Hasses“, grün-blaue Seile, die „die Verstrickung der Gesellschaft im Hass symbolisieren sollen“, sagt Sebastian Dörfler, der zum Kuratoren-Team gehört.

Die Ausstellung blickt zurück auf 200 Jahre Abneigung und Feindseligkeit, Angst, Neid und Verachtung. Sie…