Im Laufe seines Lebens hat der gebürtige Berliner manche Illusion und viele Gerichtsprozesse verloren, aber nie den Humor und sein glucksendes Lachen. Klaus Wagenbach war eine facettenreiche Frohnatur und ein politischer Querkopf, streitlustig und zeitlebens bereit sich einzumischen, sich Angelegenheiten zu eigen zu machen. Warum, erklärte er einmal so: „Wenn man will, dass dieser Staat funktioniert oder diese Gesellschaft funktioniert, dann kann man nicht alles, was einem angetragen wird, ablehnen. Und sagen, das interessiert mich nicht.“

Eigenwilliger Querkopf

Ein Linker wurde Klaus Wagenbach, weil er eine Stinkwut auf den Fehlstart der Bundesrepublik nach 1949 hatte. Ein Leser wurde er aus Neugier, ein Buchproduzent aus Leidenschaft und Verleger zunächst aus einer Not heraus. In den Verlagen S. Fischer und Suhrkamp hatte sich der junge Mann ausbilden lassen, dann studierte er Germanistik, Kunstgeschichte und Archäologie, promovierte über Franz Kafka, seinen geliebten, verehrten Franz Kafka, und wurde schließlich Lektor beim S. Fischer Verlag. Das Glück währte freilich nicht lange, denn Klaus Wagenbach flog raus, wegen „Eigensinns“, wie es so schön hieß.

Klaus Wagenbach war ein streitbarer Kopf – hier um 1972 bei der Fernsehsendung „Literarisches Colloquium“

In dieser prekären Situation gründete er 1964 den Verlag Klaus Wagenbach – und zwar im eingemauerten West-Berlin, das mitten in der DDR lag. Seine Idee: Einen Ost-West-Verlag aufzuziehen.

Zwischen Ost und West

Für kurze Zeit erschienen hier tatsächlich neben Titeln der DDR-Autoren Johannes Bobrowski, Stephan Hermlin und Wolf Biermann auch Bücher der Westdeutschen Christoph Meckel, Günter Grass und Friedrich-Christian Delius. Dem machte die Staatssicherheit der DDR allerdings bald ein Ende. Denn Klaus Wagenbach hatte sich nicht wohlgefällig verhalten und musste dafür einen hohen Preis bezahlen. Trotz deutlicher Warnungen hatte er den Vertrieb des Buches „Drahtharfe“ nicht eingestellt – dieser Sammlung…