von Christine Leitner
19.12.2021, 10:37 Uhr

Das Pech verfogt den britischen Premier auf Schritt und Tritt. Nachdem die Feierfreude Johnsons im Lockdown bekannt wurde, ist jetzt auch sein ihm bislang nahe stehender Brexit-Minister David Frost zurückgetreten. Und plötzlich steht Boris Johnson alleine da.

Am Anfang hörte sich irgendwie alles ganz toll an – zumindest gab Großbritanniens Premier Boris Johnson sein Bestes. In seiner ersten Amtsrede als Premierminister im Unterhaus in London 2019 bezeichnete er es als seine Aufgabe, die Briten aus der EU zu führen. Er wolle das Land zum großartigsten der Erde machen. Seine mit Superlativen gespickte Rhetorik erinnert stark an die von Ex-US-Präsident Donald Trump. Die EU beobachtete beide mit Skepsis. Zu Recht, wie sich spätestens jetzt herausstellt.

In seiner Rede hatte Boris Johnson den Briten versprochen, Großbritannien bis 2050 zur erfolgreichsten Wirtschaft Europas zu machen. Bis dahin ist noch viel Zeit – angesichts der dramatischen Herausforderungen, denen das Land derzeit gegenübersteht, wird Johnson aber jede Sekunde nutzen müssen, um das Land aus der Krise zu führen. Der Brexit belastet Wirtschaft und Verbraucher, das britische Leben ist noch teurer geworden. Die Pandemie hat dem Ganzen noch das I-Tüpfelchen aufgesetzt. Versorgungs- und Lieferengpässe haben sich seitdem verschärft. Und trotzdem werden die Auswirkungen des Brexit gravierender sein als die Pandemie, schätzt die Aufsichtsbehörde Office for Budget Responsibility (OBR).

Doch nicht nur wirtschaftlich ist das Land gefordert. Auch politisch hängt das Vereinigte Königreich in einer Pechsträhne. Der Rückhalt des Premiers bröckelt. Der Grund: Während Johnson und einige Parteikollegen den Lockdown auf Partys verbrachten und der Premier mit strengeren Pandemiemaßnahmen liebäugelt, wenden sich die Tory-Abgeordneten langsam von ihm ab.